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Inhalt:
  • "Wallfahrt nach altem Ritus" [Bericht zur Marienwallfahrt nach Kleinenberg vom 16. Mai 2010] aus Westfalen-Blatt 31. 05. 2010
  • "Was feiern wir am Sonntag" von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger
  • "Lehre über das Heilige Messopfer" Konzil von Trient, Sessio XXII.
  • "Jeder kann offen dazu stehen" [Artikel zu 1 Jahr MP "Summorum Pontificum"] aus neue bildpost 2008
  • "Es sind nicht die ewig Gestrigen" [Plädoyer für Messe im röm. Ritus) aus Neue Westfälische 13. 08. 2008
  • "Thomas von Aquin: Der Ritus des Altarssakramentes" (Summa theol., Frage 83) übersetzt von Werner Luig
  • "Paderborner Wallfahrt zur Helferin vom Berge" (Marienwallfahrt am 4. Mai 2008) von Wolfgang Kühnhold
  • "Ein Leben nach dem Bild Gottes" (Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag 2008) von Vikar Thomas Zwingmann
  • "Sonntags um 11 Uhr in der Gaukirche" (Bereicherung des liturg. Angebotes in PB) von Wolfgang Kühnhold
  • "Neubeginn in Paderborn" (2 Artikel aus dem Rundbrief PMT, Nr. 34, März 2008) von Pro Missa Tridentina

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Westfalen-Blatt




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Papst Benedikt XVI. /Joseph Ratzinger

Was feiern wir am Sonntag?

in: Internationale katholische Zeitschrift Communio, 11. Jahrgang (1982). Einsiedeln/Freiburg 1982

Es war ungefähr im Jahre 110 nach Christi Geburt. Ignatius, Bischof von Antiochien, wurde zu Schiff von Syrien nach Rom gebracht, um dort den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Mit gefesselten Händen schrieb er auf dieser Fahrt sieben Briefe an die christlichen Gemeinden, die im Bereich seiner Reiseroute lagen. In einem dieser Briefe steht der Satz: "Wir feiern nicht mehr den Sabbat, sondern leben unter Beobachtung des Herrentages (des Sonntags), an dem auch unser Leben aufgegangen ist ..." (Magn. 9, 1). Die Christen werden hier förmlich als die Menschen beschrieben, die vom Sonntag her leben. Das Halten des Sonntags bestimmt ihren Lebensrhythmus, prägt ihre innere Lebensform. Am Sonntag ist ihr Leben aufgegangen; der Sonntag ist für sie sozusagen die Stelle im Gewebe der Zeit, an der man an das Leben selbst herankommt, einmal erfährt, was wirklich Leben heißt. Diese Erfahrung vom eigentlichen Leben trägt dann auch die Woche hindurch. Sie bleibt sozusagen der Grundton, der sich im Lärm der Woche durchhält und dessen Echo immer neu den Weg in die Lichtung, ins Helle finden lässt.
Die Christen sind die Menschen des Sonntags, sagt Ignatius. Was bedeutet das? Bevor wir uns fragen, wie man es macht, "den Sonntag zu beobachten", müssen wir überlegen, was wir Christen eigentlich am Sonntag feiern. Der eigentliche und erste Grund für die Sonntagsfeier besteht darin, dass an diesem Tag Christus von den Toten auferstanden ist. Damit hat er eine neue Zeit begonnen: Erstmals ist jemand von den Toten zurückgekehrt und stirbt nicht mehr. Erstmals hat jemand den Kerker der Zeit durchbrochen, der uns alle gefangen hält. Aber Jesus ist nicht in die Ewigkeit entflohen. Er hat die Zeit nicht einfach wie ein abgelegtes Gewand hinter sich gelassen, sondern er bleibt bei uns. Er ist zurückgekommen und geht nicht mehr fort. Die Feier des Sonntags ist demnach vor allem ein Bekenntnis, dass Jesus lebt. Sie ist damit auch ein Bekenntnis, dass Gott lebt und dem Menschen Leben gibt über den Tod hinaus. Sie ist ein Bekenntnis, dass wir etwas zu hoffen haben. Sie ist ein Bekenntnis, dass die Liebe bleibt, und darum ein Bekenntnis, dass es gut ist, zu leben.
Sehr früh haben sich die Christen gefragt: Warum hat der Herr gerade diesen Tag gewählt? Was wollte er damit sagen? Nach jüdischer Zählung war der Sonntag der erste Tag der Woche. Es war als der Tag der Weltschöpfung. Es war der Tag, an dem Gott aus seiner Ruhe herausgetreten war und gesprochen hat: "Es werde Licht!" (Gen 1, 3) Die Auferstehung Jesu Christi bedeutet nicht etwa die Rücknahme der Schöpfung, sondern ihre endgültige Bestätigung. Denn Auferstehung heißt ja, dass die materielle Welt nie mehr untergehen wird. Sie ist in der Auferstehung Christi ins Geheimnis Gottes selbst hineingekommen. Auferstehung ist die endgültige Bestätigung des Wortes, mit dem die Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes schließt: "Gott sah alles, was er gemacht hatte, und fürwahr, es war sehr gut" (Gen 1, 31). Auferstehung bedeutet, dass Gott endgültig sein "gut" zur Schöpfung sagt. Er sagt es, indem er sie in sich selbst aufnimmt und sie damit über alle Vergänglichkeit hinaus ins Bleibende verwandelt.
Der Sonntag ist der erste Tag der Woche, derSchöpfungstag, das bedeutet also: Der Sonntag ist auch der Tag des Dankes für die Schöpfung. Das hat gerade in unserer technischen Welt eine besondere Bedeutung gewonnen. Die Schöpfung ist uns übergeben von Gott als unser Lebensraum, als Raum unserer Arbeit und unserer Muße, in dem wir das Lebensnotwendige und das Überflüssige finden, die Schönheit der Bilder und der Klänge, die der Menschh genauso braucht wie Nahrung und Kleidung. "Macht euch die Erde untertan", hat Gott zum Menschen gesagt (Gen 1, 28). Das bedeutet aber nicht: Beutet sie aus! Vergewaltigt sie! Sondern es bedeutet: Pflegt sie! Drückt ihr das Antlitz des Geistes auf! Entfaltet, was in ihr ist! So wird sie euch dienen und ihre Bestimmung erfüllen. Das Wort "Kultur" kommt aus der gleichen Wurzel wie das Wort Kult. Es schließt sowohl die Gesinnung des Pflegens wie die des Verehrens, der Ehrfurcht mit ein. Es bedeutet, die Dinge so zu pflegen, dass wir darin Gottes Schöpfung ehren und so Gott selbst verehren.
Jeder Sonntag ist demgemäß ein Fest der Schöpfung. Er ist immer auch ein Bekenntnis zum ersten Glaubensartikel: Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er will uns daran erinnern, dass wir vor unserem Tun schon beschenkt sind mit der Gabe der Schöpfung. Er will uns die Gesinnung der Dankbarkeit und der Ehrfurcht wecken. Vom Sonntag her leben bedeutet also auch, von diesen Gesinnungen und von dieser Grundorientierung her die Arbeit in der Welt einrichten. Das bedeutet die Bereitschaft zum Maßhalten im Benützen der Schöpfung: Wir dürfen sie gebrauchen, aber nicht verbrauchen. Es nützt nichts, wenn wir plötzlich an irgendeiner Stelle gegen neue Unternehmungen zu protestieren beginnen. Das bleibt unlogisch und unsinnig, wenn wir nicht vom Verbrauchen zum Gebrauchen, vom Ausnützen zum Pflegen umkehren. Sonntäglich leben heißt unterwegs sein zu dieser Gesinnung; es bedeutet wirklich einen ganzen Lebensstil, den wir gerade als Christen in dieser Zeit mit neuer Entschiedenheit suchen müssen ...
Wir hatten bisher gesagt: Der Sonntag ist der Auferstehungstag Jesu Christi. Er ist als der erste Tag der Schöpfungstag. Von einer anderen Sicht her konnte man auch sagen: Er ist nach dem siebten Tag, dem Sabbat, der achte Tag. Er ist der Tag, der nach der Weltwoche der Schöpfungszeit liegt; der Tag, der über unsere Zeit hinausweist auf die neue Welt. Die Zahl 8 ist den Christen zum Symbol für die kommende Welt geworden. Sie haben zum Beispiel die Taufkirchen in der Form des Achtecks gebaut, um anzudeuten, dassdarin die Geburt für die neue Welt erfolgt, die mit der Auferstehung Christi begonnen hat. So feiern wir mit dem Sonntag auch unseren Glauben an die Wiederkunft des Herrn. Er ist nicht nur ein Tag des Dankes und der Rückschau, sondern vor allenm auch ein Tag der Hoffnung - Aufbruch in die Zukunft hinein. In der Eucharistiefeier beginnt für uns schon immer die Wiederkunft Christi: Der Herr tritt zu uns herein durch die verschlossenen Türen unserer Angst wie damals am Ostermorgen zu den Jüngern (Joh 20, 19). Christentum ist nicht eine Religion der Vergangenheit, sondern als Christen haben wir das Entscheidende noch vor uns.
Der Herr kommt, und wir gehen ihm entgegen. Wir haben etwas zu hoffen: das Reich Christi, das Reich Gottes. Wir können vertrauend der Zukunft entgegensehen; sie wird größer sein als die Vergangenheit. Aber wir können nur dann vertrauen, wenn wir mit Christus gehen. Und wir bauen nur dann wirklich auf, wenn wir mit ihm bauen. Christsein bedeutet so zu leben, dass wir auf dem Weg zu Christus sind. Nur so gehen wir wirklich vorwärts.
Während die Christen für die übrigen Tage der Woche keinen Namen erfanden, sondern sie einfach der Reihe nach durchgezählt haben, haben sie diesem Tag einen neuen Namen gegeben: Herrentag. So heißt er heute noch in den romanischen und slawischen Sprachen. In den germanischen Sprachen hat man die alte Bezeichnung - Tag der Sonne - gelassen, weil Christus die aufgehende Sonne ist. Ihn sahen die Christen hinter dem Schöpfungswort "Es werde Licht"; ihn erwarteten sie als das endgültige Licht, das aus der Nacht des Todes aufgeht zu einem Tag, der keinen Abend mehr kennt, weil die wahre Sonne - die Liebe - nie mehr untergeht.

Wie feiern wir den Sonntag?

Zunächst ist aus dem Bisherigen wohl klar geworden, dass der Sonntag nicht ein beliebiger freier Tag ist, den man nach eigenem Ermessen in der Woche herumschieben kann. Als Tag der Auferstehung Jesu Christi, als der erste und zugleich achte Tag, der auch den Sabbat und so die Einheit von Schöpfung und Bund in sich aufgenommen hat, ist er uns vorgegeben: ein Zeichen des Schöpfers und des Erlösers, des Dankes und der Hoffnung im Rhythmus unserer Zeit, das wir nicht erfunden haben, sondern empfangen als Vorgabe für unseren Umgang mit der Zeit. Als Tga der Teilnahme an Gottes Ruhe und als Tag der Ankunft des Auferstandenen, der seine ins Private geflüchteten Jünger zusammenholt, um mit ihnen Brot zu brechen, ist dies der Tag des Gottesdienstes, den wiederum nicht wir erdacht haben: Der erste Tag ist gleichsam das Fenster, das der Herr durch seine Auferstehung in die Mauer der Zeit hineingebrochen hat. Er ist im Rhythmus der Zeit Stunde seiner Wiederkunft, und dieses Ankommen Christi bei uns bedeutet: eins-sein im Brotbrechen, in dem er wahrhaft zu uns hereintritt, wahrhaft gegenwärtig wir mit uns und in uns.
Deswegen ist das Sonntagsgebot nicht eine willkürliche Erfindung der Kirche. Das Gebot drückt nur in rechtlicher Form aus, was als Tatsache für die Kirche von den Aposteln her in ihrem Antwortgeben auf das Geschehen des ersten Tages von Anfang an gegenwärtig gewesen ist. So berichtet uns die Apostelgeschichte, dass Paulus in Troas am Sonntag die Eucharistie feierte (20, 6-11); die sonntägliche Eucharistiefeier wird hier schon als feste Übung der Christenheit vorausgesetzt.
Aus dem 1. Korintherbrief des heiligen Paulus wissen wir, dass der Sonntag der Tag der Kollekte für die Kirche von Jerusalem war (1 Kor 16, 1 f.); so wird auch schon der Zusammenhang von Gottesdienst und Caritas, Freisein für Gott und Freiwerden für den Menschen sichtbar. Johannes datiert in der Geheimen Offenbarung seine erste Vision ausdrücklich auf den Tag des Herren (Apk 1, 10): Auf dieser Weise beteiligt der Herr gleichsam den Verbannten, der der eucharistischen Gemeinschaft der Kirche beraubt ist, am gemeinsamen Gottesdienst, an seiner österlichen Anwesenheit. Die so genannte Lehre der Apostel, ein etwa zwischen 90 und 100 entstandenes Buch, sagt aus einer längst selbstverständlich gewordenen Tradition heraus: "Am Herrentag des Herrn aber versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Sünden bekannt habt, damit euer Opfer rein sei" (Did 14, 1). Halten wir also fest: Es steht nicht im Belieben der Kirche oder des einzelnen Christen, ob und wann wir Gottesdienst feiern wollen und was wir mit dem Sonntag machen. Der Sonntag ist die Antwort der Kirche auf das, was der Herr getan hat und tut: Er hat diesen Tag zu seinem Tag und zu unserem Tag, zum Tag der gemeinsamen Versammlung mit ihm im Gottesdienst der Kirche gemacht.
Damit sind auch schon einige weitere Fragen beantwortet. Es könnte einer sagen: Ich mag die schlechte Luft in den Kirchenräumen und die müden Gesänge nicht. Mich stört es, eingeengt zwischen allerhand Leuten zu knien, die ich nicht kenne und einen Pfarrer Gebete vortragen zu hören, die mir unverständlich sind. Ich gehe lieber auf die Berge, in den Wald, ans Wasser und bin frömmer in Gottes freier Natur als in einer Versammlung, die mir nichts bringt. Darauf ist zu sagen: Es kann nicht so sein, dass wir uns heraussuchen, ob und wie wir Gott verehren wollen; es kommt darauf an, dass wir ihm dort antworten, wo er sich uns gibt. Wir können nicht aus Eigenem festsetzen, wo Gott uns begegnen muss, und wir können nicht von uns aus bis zu ihm hinlangen wollen. Er kann zu uns gehen und sich finden lassen, wo er es will. Deswegen müssen wir ihm dort antworten, wo er uns im Voraus geantwortet hat, und nicht dort, wo wir ihn gerne haben möchten. Eucharistie feiern bedeutet, dass wir in die schon gegebene Antwort Gottes hineintreten und in ihr selbst Antwortende werden. Nicht irgendein frommes Gefühl zählt, das Religion ins Unverbindliche und Private abdrängt, sondern der Gehorsam, der seinen Ruf annimmt. Der Herr will nicht unsere privaten Gefühle, sondern er will uns zur Gemeinschaft versammeln und vom Glauben her die neue Gemeinschaft der Kirche bauen. In den Gottesdienst gehört der Leib und gehört die Gemeinschaft hinein mit ihren Mühsalen und Unbequemlichkeiten. Deshalb ist auch die Fragestellung falsch: Was bringt mir das?
Im Gottesdienst können wir nicht einfach als passive Empfänger sein, die sich mit schönen Gefühlen berieseln lassen und am Ende den Ertrag für das eigene psychische Wohlbefinden messen, um daran den Wert des Gottesdienstes zu taxieren. Im Gottesdienst geht es nicht darum, dass "es" etwas bringt, sondern dass wir uns bringen, in den Gehorsam des Glaubens und der Kirche hinein. Das wird nicht sofort im messbaren psychischen Gewinn greifbar, es kann zunächst eher mühsam sein. Aber wer sich immer wieder durch den Gottesdienst fordern lässt, wer die Mühsal des gemeinschaftlichen Betens mit den uralten Gebeten des Glaubens aufnimmt, wer glaubend und betend in die Tiefe dieses Gebetsstromes eindringt, der erfährt, wie er allmählich über sich hinausgenommen wird; sein Denken und sein ganzes Leben vertieft sich, es wird gereinigt und frei. Es geht gar nicht mehr um das eigene kleine Ich; wer Sonntag um Sonntag die Eucharistie der Kirche feiert, nimmt an der Größe und Weite des welt- und zeitumspannenden Betens der Kirche teil und darin an der Weite Jesu Christi selbst, der in der Eucharistie seine Verheißung erfüllt: "Wenn ich erhöht bin von der Erde, werde ich alle an mich ziehen" (Joh 12, 32). Deswegen geht es auch nicht an, die Eucharistie zum Objekt beliebiger Gestaltung zu machen, in denen das Große auf unseren Maßstab heruntergeschraubt wird: Nicht die Eucharistie müssen wir auf unser Maß bringen, sondern uns müssen wir auf ihr Maß, das Maß Jesu Christi bringen lassen.
Damit sind auch schon ein paar weitere Fragen beantwortet, die sich in diesem Zusammenhang aufdrängen. Die Kirche hat nicht das Recht, die sonntägliche Eucharistiefeier durch andere Gottesdienste zu ersetzen. Dies kann nur in wirklichen Notfällen geschehen. Wenn der Notfall gegeben ist, muss im Einzelnen sorgfätig abgewogen werden. Ein Priester kann nach alter kirchlicher Ordnung an einem Tag nicht mehr als dreimal die Eucharistie feiern - das ist ein Maßstab. Die Zumutbarkeit des Weges zu einer Kirche mit Eucharistiefeier für die Gläubigen ist der andere Maßstab, bei dem die Gemeinden und die einzelnen Christen zusammen mit ihrem Pfarrer sich sorgfältig prüfen müssen. Die jetzige Situation, in der nicht an allen alten Gottesdienstorten jeden Sonntag Eucharistie gefeiert werden kann, muss ein Anlass sein, gegenseitig die geistliche Gastfreundschaft zu erlernen: Kein Ort darf sich in sich selbst verschließen und nur in die eigene Kirche gehen wollen. Katholisch ist es, gerade am Sonntag zueinander zu gehen, die Grenzen festgefügter Gemeinschaften zu überschreiten, einander aufzunehmen und anzunehmen; gerade solche Gastlichkeit, die Freundschaft wird und zu einem größeren Miteinander führt, gehört zum Wesen der Eucharistie. In diesem Sinn könnte die gegenwärtige Notsituation auch eine Chance sein, im tiefsten Sinn des Wortes "katholisch" zu werden, nämlich offener füreinander, einfallsreicher im gegenseitigen Dienen: Alte und Kranke mitzunehmen, nicht nur, sich zwischen Gemeinden auszutauschen, sondern auch innerhalb davon sich gegenseitig umeinander zu kümmern, um gemeinsam zur Kirche zu kommen. Hier öffnet sich ein großes Betätigungsfeld für eine lebendige Weise, miteinander Kirche zu sein.

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Das Konzil von Trient

Lehre über das Heilige Messopfer

Sessio XXII.

Das Konzil von Trient lehrt:

Die Unzulänglichkeit des levitischen Priestertums war die Ursache, dass im Alten Bund nichts zur Vollkommenheit gelangen konnte. Nach dem Ratschluss Gottes, des Vaters der Barmherzigkeit, sollte ein anderer Priester auftreten, ein Priester nach der Ordnung des Melchisedech (Hbr 7, 11), unser Herr Jesus Christus, der fähig wäre, alle zu vollenden, d.h. alle zur Heiligkeit Berufenen (quotquot sanctificandi essent) zur Vollkommenheit zu führen.
Nur ein einziges Mal brachte Jesus Christus, unser Gott und Herr, sich selbst seinem himmlischen Vater auf dem Altar des Kreuzes dar in einer Hinopferung, bei welcher der Tod eintrat. Durch diesen Tod wurde unsere ewige Erlösung bewirkt. Indessen sollte dadurch sein Priesteramt nicht erlöschen (Hbr 7, 24). Er hinterließ vielmehr beim letzten Abendmahl, vor seinem Verrat, der Kirche, seiner geliebten Braut, ein sichtbares Opfer wie es unsere menschliche Natur verlangt: ein wirkliches, nicht bildhaftes Opfer. Dieses Opfer sollte zugleich die Darstellung seines blutigen Opfers sein, das er ein für allemal kurz darauf am Kreuze vollbrachte.
Er erklärte sich selbst für den "Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech" (Ps 109, 4), opferte Gott, seinem Vater, seinen Leib und sein Blut auf unter den Gestalten von Brot und Wein, gab sein Fleisch und Blut unter diesen Gestalten seinen Aposteln zur Speise und zum Trank und setzte sie in diesem Augenblick zu Priestern des Neuen Testamentes ein.
Ihnen und ihren Nachfolgern im Priesteramt gab er den Befehl, seinen Leib und sein Blut darzubringen mit den Worten: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22, 19). In diesem Sinn hat die katholische Kirche stets diese Worte aufgefasst; stets hat sie so gelehrt.
Dieses reine Opfer kann durch die Sündhaftigkeit und Bosheit der darbringenden Priester nicht befelckt werden; denn der Herr ließ durch den Propheten Malachias verkünden, "dass seinem Namen, der groß ist unter den Völkern, an allen Orten ein reines Opfer dargebracht würde" (Mal 1, 11), das der heilige Paulus in seinem Brief an die Korinther deutlich genug kennzeichnet. Er schreibt: "Ihr, die ihr euch durch Anteilnahme am Tisch der bösen Geister befleckt habt, könnt nicht Anteil haben am Tische des Herrn." (1 Kor 10, 21). In beiden Fällen bezeichnet hier "Tisch" soviel als "Altar". Dieses Opfer auf dem Altar ist aber jenes ganz erhabene, das in den Opfern des Naturgesetzes und des Mosaischen Gesetzes seine schwachen Vorbilder hat (Gen 4, 4; 8, 20; 12, 8; 22, 2).Es enthält in der Tat alle jene Güter, welche die früheren Opfer andeuteten; es ist deren Erfüllung und Vollendung.
In diesem göttlichen Opfer der heiligen Messe ist derselbe Christus enthalten, wird derselbe Christus geopfert, der sich im blutigen Opfertod am Altare des Kreuzes einmal hingegeben hat. Deshalb ist das Messopfer ein wirkliches Versöhnungsopfer (nicht bloß ein Lob- und Dankopfer) (Hbr 9, 28). Nähern wir uns daher Gott mit aufrichtigem Herzen und rechtem Glauben , mit Furcht und Ehrfurcht, reuig und bußfertig, dann lässt es uns Barmherzigkeit finden und gewährt uns Gnadenhilfe zur rechten Zeit. Der Herr wird in der Tat durch dieses Opfer besänftigt und erteilt reichlich die Gnade und Gabe der Bußfertigkeit. Er verzeiht die Vergehen und Sünden, selbst wenn sie unendlich groß gewesen wären.
Das Opfer (am Kreuze und auf dem Altar) ist tatsächlich nur ein und daselbe. Derjenige, der sich heute durch den Dienst der Priester opfert, ist der nämliche, welcher sich einst am Kreuze geopfert hat; nur einen Unterschied gibt es: er besteht in der Art der Darbringung. Wir empfangen in wunderbarer Fülle die Früchte dieser blutigen Hinopferung in der heiligen Messe.
Nach der von den posteln erhaltenen Überlieferung wird das Opfer nicht nur dargebracht für die Sünden, Strafen, Genugtuungen und sonstigen Bedürfnisse der lebenden Gläubigen, sondern auch für die, welche in Christus entschlafen und noch nicht vollkommen gereinigt sind.
Die Kirche wünscht, dass die Gläubigen in der Messe, der sie beiwohnen, die heilige Kommunion nicht nur geistig empfangen, sondern sakramentalerweise kommunizieren, damit ihnen die Frucht dieses hochheiligen Opfers in noch reichlicherer Fülle zufließe.
Das heilige Messopfer werde mit all der Hochschätzung und Verehrung dargebracht, welche die Tugend der Gottesverehrung einflößen kann. Welch große Sorgfalt bei der Messfeier aufgewendet werden soll, lässt sich leicht erkennen aus dem Wort der Heiligen Schrift: "Verflucht sei jeder, der das Werk Gottes nachlässig verrichtet." (Jer 48, 19). Wir müssen anerkennen, dass die heilige Messe die heiligste Handlung ist, die Christgläubige vornehmen können, und dass es kein göttlicheres und ehrfurchtgebietenderes Geheimnis gibt, wie jenes, in dem das lebendigmachende Opferlamm täglich von den Priestern auf den Altären geopfert wird, durch das wir mit Gott, dem Vater, versöhnt worden sind.
Daraus geht zur Genüge hervor, dass jegliche Art von Sorgfalt und Fleiß aufgewendet werden muss, damit die heilige Messe in möglichst lauterer Gesinnung und innerer Herzensreinheit, wie auch in den äußerlich sichtbaren Zeichen von Andacht und Frömmigkeit gefeiert werde.
Die menschliche Natur ist so beschaffen, dass sie sich ohne die Mithilfe der sinnenfälligen Dinge nur sehr schwer zur Betrachtung des Göttlichen erheben kann. Deshalb hat unsere gütige Mutter, die Kirche, Riten bei der Messfeier angeordnet. Gewisse Vorschriften bestimmen, dass manches leise, anderes wieder laut gebetet werde. Von den Aposteln und der Überlieferung belehrt, hat sie Zeremonien, geheimnisvolle Segnungen, Lichter, Rauchwerk, Paramente udn viele ähnliche Dinge eingeführt, die dazu bestimmt sind, die Erhabenheit eines so großen Opfers in steter Erinnerung zu erhalten. "Gerade durch diese sichtbaren Zeichen der Gottesfurcht und Frömmigkeit wird der Geist der Gläubigen besonders angetrieben, sich zur Betrachtung der übersinnlichen Dinge zu erheben, die in diesem Opfer verborgen liegen. " (Der heilige Vinzenz Ferrier konnte sagen: "Missa est altius opus contemplationis quod possit esse. - Die Messe ist der höchste Gegenstand der Betrachtung, den es geben kann.")

(entnommen: Dom Eugen Vandeur: "Das Heilige Messopfer - Führer zur Heiligkeit - Geisteserhebungen", Regensburg 1930)

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neue bildpost 2008




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Neue Westfälische/Lokalteil vom 13. August 2008




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Thomas von Aquin (übersetzt von Werner Luig)

Der Ritus des Altarssakramentes.

Summa Theologica, III. Buch, 30. Band. 83. Frage

83. Frage

Der Ritus dieses Sakramentes

Artikel 1 Wird in der Feier dieses Sakramentes Christus geopfert?

1) Es scheint, dass in der Feier dieses Sakramentes Christus nicht geopfert wird. In Hebr. 10 wird nämlich gesagt, dass Christus in einer einzigen Opfergabe für immer die Geheiligten vollendet. Aber jene Opfergabe war seine Opferung. Christus wird also nicht geopfert in der Feier dieses Sakramentes.

2) Außerdem ist die Opferung Christi am Kreuz geschehen, an dem "er sich selbst als Darbringung und Opfergabe Gott hingab im Geruch der Lieblichkeit", wie es in Eph. 5 heißt. Aber in der Feier dieses Geheimnisses wird Christus nicht gekreuzigt. Also wird er nicht geopfert.

3) Außerdem sind, wie Augustinus sagt, in der Opferung Christi der Priester und die Opfergabe dasselbe. Aber in der Feier dieses Sakramentes sind der Priester und die Opfergabe nicht dasselbe. Also ist die Feier dieses Sakramentes nicht die Opferung Christi.

Dagegen aber sagt Augustinus: "Einmal ist Christus in sich selbst geopfert worden und dennoch wird er täglich im Sakrament geopfert."

Ich antworte indem ich sage, dass aus zweifacher Überlegung die Feier dieses Sakramentes Opferung Christi genannt wird. Zuerst, weil nach Augustinus "gewöhnlich die Bilder mit den Namen der Dinge benannt werden, deren Bilder sie sind", so sagen wir, wenn wir ein Bild oder Wandgemälde betrachten. "Der ist Cicero, der Sallust." Die Feier dieses Sakramentes aber ist, wie oben gesagt, gewissermaßen ein Bild, das das Leben Christi vergegenwärtigt, das dessen wahre Opferung ist. Daher wird die Feier dieses Sakramentes Christi Opferung genannt. Daher sagt Ambrosius: "In Christus ist einmal dargebracht worden die Opfergabe, die das ewige Heil zu bewirken vermag. Was ist mit uns? Opfern wir nicht jeden Tag (diese Opfergabe) zur Erinnerung an dessen Tod?" Auf andere Weise (wird die Feier dieses Sakramentes Opferung Christi genannt) bezogen auf die Wirkung des Leidens Christi, da wir freilich durch dieses Sakramentes teilhaftig gemacht werden der Frucht des Herrenleidens. Daher wird auch in einem sonntäglichen Stillgebet gesagt: "Sooft die Erinnerung dieses (Schlacht-) Opfers gefeiert wird, wird das Werk unserer Erlösung ausgeführt."

Was also die erste Weise betrifft, konnte gesagt werden, dass Christus auch in den Gestalten des Alten Testamentes geopfert wurde. So heißt es in Offb. 13: "Deren Namen sind aufgeschrieben im Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet wurde vom Beginn der Welt an."
Was nun die zweite Weise betrifft, so ist es diesem Sakrament eigentümlich, dass in seiner Feier Christus geopfert wird.

Zum Ersten ist also mit Ambrosius zu sagen: "Es ist eine Opfergabe", die nämlich Christus dargebracht hat und die wir darbringen, "und nicht viele, weil Christus sich einmal dargebracht hat, dieses (unser) Opfer aber ist Abbild jenes (Christi) Opfers. So ist es nämlich ein Leib, wo immer er auch dargebracht wird, und nicht viele Leiber, ebenso ist es auch eine Opferung."

Zum Zweiten ist zu sagen: Wie die Feier dieses Sakramentes ein Bild ist, das das Leiden Christi gegenwärtig setzt, so ist der Altar eine Vergegenwärtigung des Kreuzes selbst, an dem Christus in seiner eigenen Gestalt geopfert worden ist.

Zum Dritten ist zu sagen: Aus derselben Überlegung handelt auch der Priester als Bild Christi, in dessen Person und Kraft er die Worte der Konsekration ausspricht, wie sich aus dem Gesagten ergibt. So sind in gewisser Weise der Priester und das Opfer dasselbe.

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Wolfgang Kühnhold

Paderborner Wallfahrt zur Helferin vom Berge

Marienwallfahrt am 4. Mai 2008 nach Kleinenberg

Die Feier der Messe im außerordentlichen Ritus erschien für viele in Paderborn in weite Ferne gerückt. Wer diese Form erleben und praktizieren wollte, war auf sonntägliche Ausflüge etwa nach Gelsenkirchen oder Münster angewiesen.

Nun hat unser Erzbischof entschieden: An jedem Mittwoch in der Krypta des Hohen Domes - und das ist absolut einmalig: der außerordentliche Ritus in der Bischofskirche! - und an jedem Sonn- und Feiertag in der Gaukirche wird die heilige Messe in diesem Ritus gefeiert, außer ... ja und da lag der Punkt! ... außer an Prozessionstagen oder bei anderer Verwendung des Gotteshauses.

Dieser Fall trat dann zum 4. Mai ein. Die Stadtpfarrei feierte an diesem Tag die Rückkehr der Gebeine des Heiligen Liborius nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mit einer Prozession. So fiel die gewohnte Messe aus - beinahe! Denn Not macht bekanntlich erfinderisch. Der Vorschlag, an diesem Tag eine Marienwallfahrt nach Kleinenberg zu machen, fand raschen Zuspruch.

Und so versammelte sich ein kleines Häuflein tapferer Wanderer früh um sieben Uhr in der Liborikapelle, um dort mit dem Segen Gottes und der heiligen Jungfrau nach Kleinenberg zu wallen. Prälat Dr. Schmitz sprach die Gebete, bevor acht Gläubige, darunter die ehrwürdige Schwester M. Josefa, die an diesem Tag das goldene Jubiläum ihrer Profess auf diese Weise feierte. In Hochstimmung ging es zunächst mit dem Auto bis nach Grundsteinheim - die Strecke von Paderborns Innenstadt aus wurde diesmal ausgespart, weil der Aufbruch sonst bereits zwischen 4 und 5 Uhr hätte erfolgen müssen. Am Parkplatz im Tal des Ellerbaches wurden die Autos abgestellt. "Procedamus in pace" - "In nomine Christi. Amen." Das Startsignal war gegeben. Voran das Prozessionskreuz, das "Te Deum" auf den Lippen führten die ersten Schritte durch die Straßen des noch ganz verschlafenen Dorfes. Lediglich ein kleines Kind erschien am Fenster, wandte sich zur Mutter in die Stube und rief so etwas wie "Mitgehen!" Vielleicht ja beim nächsten Mal?

Bei herrlichem Frühsommerwetter, abwechselnd den Rosenkranz betend und Marienlieder singend, ging es durch Feld und Flur in Richtung Lichtenau. Nach einer kurzen Rast bei "Schlüters Kreuz" erreichten die Wallfahrer die Stadtverwaltung Lichtenau, wo bereits eine zweite Gruppe wartete, darunter Bürgermeister Wange mit seiner Frau. Nach einer kurzen Begrüßung, bei der Herr Wange unser aller Wunsch aussprach, dass nämlich diese Wallfahrt am Sonntag nach Christi Himmelfahrt zur ständigen Einrichtung werden und die beiden Städte Paderborn und Lichtenau im Zeichen der Helferin vom Berge kulturell näher zueinanderbringen möge, ging es wieder bergauf, bis sich das schöne Sauertal auftat, durch das wir nun in der zweiten Etappe in Richtung Kleinenberg zogen. Die Beter, nun verstärkt durch die Lichtenauer Gruppe mit ihrem Bürgermeister, begannen mit dem glorreichen Rosenkranz. Unsere jüngste Wallfahrerin, gerade mal neun Jahre alt, betete ein Gesätz vor, das die Mutter sie gelehrt hatte, wozu Schwester Josefa ihr einen Rosenkranz schenkte, den Papst Johannes Paul II. geweiht hatte. Weitere Gebete und Wallfahrtsgesänge sorgten für eine festliche Prozession in Richtung der Helferin vom Berge. Natürlich gab es neben den Gebeten auch Gelegenheiten zu Gesprächen und zum Meinungsaustausch.


In großer Harmonie, unter dem Schutzmantel der Gottesmutter, trafen wir dann - wie vorgesehen - pünktlich um 11 Uhr am Hohen Kreuz auf der Höhe vor der Wallfahrtskapelle ein. Dort kam uns der hochwürdige Vikar Markus Berief mit zwei Ministranten entgegen, begrüßte uns und erteilte den Segen. Mit einem "Procedamus in pace - in nomine Christi. Amen" zogen wir dann weiter, den Kreuzweg hinab bis zur Kapelle, wo die Wallfahrer, die mit dem Bus und Autos gekommen waren, bereits warteten.

In der Kapelle war der barocke Altar festlich geschmückt, der hochwürdige Herr Prälat Dr. Heribert Schmitz verrichtete die Gebete beim Anlegen der liturgischen Gewänder, Schola und Organist übten noch und die Ministranten, darunter auch ein Wallfahrer, der nun die schweren Schuhe und die Wanderkluft wechseln musste, machten sich bereit und legten die Kohlen ins Weihrauchfass. Die gut gefüllte Kirche wartete auf die Liturgie, die sie früher so oft erlebt hatte und die nun, zum ersten Mal nach 40 Jahren, wieder feierlich begangen werden konnte. Das Hochamt begann dann wie geplant um 11.30 Uhr. Die Orgel intonierte die Kleinenberger Wallfahrtsmesse, die Schola sang die Ordinarien. Das große Mysterium unseres Glaubens, das heilige Messopfer, bedarf keines Kommentares. Aber der Eindruck, der immer wieder zu beobachten ist, bestätigte sich auch hier: Die Kapelle, für diesen Ritus gebaut, schien nun neu zu leben; jede Kerze, jedes Heiligenbild, das großartige Deckengemälde, der Hochaltar mit seinem wunderschönen Schnitzwerk - alles hatte seine Funktion, alles schien mit einzustimmen in den Jubel zur Ehre des Höchsten und seiner hochheiligen Mutter. Dazu erstrahlte das Gnadenbild im Glanz der Sonne, die uns den ganzen Tag über nicht verlassen sollte.


Nach der Heiligen Messe war Gelegenheit zu einem Imbiss. Um 13.30 Uhr dann versammelten sich noch einmal alle Wallfahrer zu einer Marienandacht mit Aussetzung und feierlichem Schlusssegen, den Vikar Berief spendete.

Über die Rückkehr gibt es wenig zu berichten. Der Bus setzte die Fußwallfahrer an den Ausgangspunkten ab und brachte andere wieder nach Paderborn. Aber alle waren noch voll des Eindrucks, den dieses Wallfahrtsfest hinterlassen hat. Einhellih war die Meinung, dass hier eine Tradition begründet werden müsste. Im nächsten Jahr soll die Wallfahrt wieder am Sonntag nach dem Fest "Christi Himmelfahrt" stattfinden. Und alle waren voll des Dankes. Dank dem Vikar Berief, ohne dessen Einsatz das ganze Unternehmen nicht möglich gewesen wäre, Dank unserem Zelebranten H. H. Prälat Dr. Schmitz, Dank an den Ortsheimatpfleger Heinz-Günther Borgmeier, der vor Beginn der Messe eine kurze Einführung in die Bau- und Kunstgeschichte der Kapelle gegeben hatte, und Dank an die Organisatoren, die von der Zeit- und Wegplanung bis zum Schmücken des Altares diese alte Tradition haben lebendig werden lassen.

Und für den Berichterstatter - wie sicherlich für viele andere, die an diesem Tag mit dabei waren - schloss der Tag mit einem Dankgebet und einem "Te Deum" zum abendlichen Stundengebet.

(Hinweis: Weitere Fotos von der Wallfahrt finden Sie hier unter "Fotos", allgemeine Infos zum Marienwallfahrtsort Kleinenberg sind abrufbar unter www.kleinenberg.de)


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Vikar Thomas Zwingmann

»Ein Leben nach dem Bild Gottes«

Predigt zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit in der außerordentl. Form des röm. Ritus (18.Mai 2008)

(Röm 11,33-36 / Mt 28,18-20)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Wer als Christ auf die Dreifaltigkeit angesprochen wird oder wer sogar eine Predigt darüber zu halten hat, der sieht sich schnell zwei gegensätzlichen Versuchungen ausgeliefert. Entweder er resigniert vor dem Festgeheimnis dieses Tages und versteckt sich hinter frommen Floskeln oder er macht ganz einfach aus der Not eine Tugend, indem er das Geheimnis Gottes so herausstellt, dass es uns Menschen im Grunde genommen zur Sprachlosigkeit verurteilt. Zwischen diesen beiden Extremen gilt es eine angemessene Balance zu finden. So richtig es ist, dass Gottes Größe alles menschliche Begreifen übersteigt – wie es in der Epistel anklang, so darf doch nicht darauf verzichtet werden, dem Menschen Verständnishilfen für diesen Glauben an die Hand zu geben. Dass Gott dreifaltig ist, hätte der Mensch nämlich aufgrund eigener denkerischer Anstrengung nie herausgefunden. Er weiß um dieses Geheimnis nur deshalb, weil Gott selbst es ihm offenbart hat. Aber wie ist dieser Dreifaltigkeitsglaube entstanden? Wie kamen die ersten Christen zu der Überzeugung, Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist anzubeten? Vielleicht kann uns ein kurzer Gang durch die Religionsgeschichte helfen, auf diese Frage eine Antwort zu geben.

Den Ausgangspunkt des christlichen Dreifaltigkeitsglaubens bildet das Gottesbild des Alten Testamentes, die feste Überzeugung, dass es nur einen Gott in dieser Welt gibt. Dieser eine und einzige Gott, der sich dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart hat und dessen Name Jahwe sinngemäß „Ich bin für dich da“ (vgl. Ex 3,14) bedeutet, dieser Gott stellt in der gesamten Geschichte der Religion ein absolutes Novum und damit gleichsam die Revolution allen bisherigen Denkens dar. In der heidnischen Umwelt Israels gab es viele Götter und jeder Gott war aus Sicht der Menschen für einen bestimmten Bereich zuständig. Der Götterhimmel der alten Griechen beispielsweise war von über 300 Göttinnen und Göttern bevölkert. Wie ein adliger Hofstaat thronten sie auf dem Olymp, an der Spitze der Göttervater Zeus mit seiner eifersüchtigen Gemahlin Hera. Es ist unschwer zu erkennen, wie die Bilder der Götter nach den Mustern der Kleinkönige und Fürsten gemalt wurden, die damals in Griechenland regierten. Schon im 6. Jahrhundert vor Christus warf deshalb der griechische Philosoph Xenophanes seinen Zeitgenossen vor: „Ihr formt eure Götter nach euren eigenen Bildern. Wenn Kühe, Löwen oder Pferde eine Religion hätten“, so spottet er, „würden sie sich ihre Götter selbstverständlich auch als Kühe, Löwen oder Pferde vorstellen“ (Fragment B 15). Aber auch das Christentum war in seiner Geschichte nicht frei davon, dass immer wieder menschliche Vorstellungen der jeweiligen Zeit in das Gottesbild hineinflossen. Zur Zeit der großen europäischen Monarchien etwa nahm auch das christliche Gottesbild und damit verbunden auch die entsprechende Pädagogik absolutistische Züge an. Im Zeitalter des Liberalismus war dann ein Gott modern, der sich aus allem heraushält und der das Uhrwerk seiner Schöpfung, das er im Anfang geschaffen hat, jetzt sozusagen von alleine weiterticken lässt. Von diesem – wie die Theologie es nennt – deistischen Denken sind wir letzten Endes auch heute noch versucht, wenn etwa immer wieder behauptet wird, dass Religion im öffentlichen Leben nichts zu suchen habe, da sie Privatsache sei und jeder nach seiner eigenen Façon selig werden müsse. Der Glaube an die Dreifaltigkeit hat dagegen zu allen Zeiten das Bewusstsein wachgehalten, dass unser Gott all diese Eingrenzungen aufsprengt, denn er ist ein Gott der Fülle, der sich nicht auf ein einzelnes Bild festlegen lässt. Sein innerstes Wesen lässt sich nur in einem Paradoxon ausdrücken, nämlich dass er in drei Personen doch ein einziger ist. Auf diesem Hintergrund wird dann auch verständlich, warum schon im Alten Bund das erste der Zehn Gebote verbietet, sich ein Bild von Gott zu machen.

In diesem alttestamentlichen Glauben an den einen Gott, der im Anfang Himmel und Erde erschaffen hat, waren Jesus und seine Jünger zutiefst verwurzelt. Sie hatten in ihrem Leben erfahren können, was wir gleich im Offertorium beten werden, dass dieser Gott der so hoch und erhaben über der Welt thront, ein zutiefst barmherziger und menschenfreundlicher Gott ist. In der Person Jesu verdichtet sich diese Erfahrung dann aufs Äußerste, denn in ihm – so glauben wir – ist der unsichtbare Schöpfergott mit einem menschlichen Antlitz in unsere Welt hineingetreten. Diese Erfahrung einer ganz tiefen Beziehung zwischen Jesus und Gott, den er seinen Vater nennt, die Erfahrung, dass Jesus ganz durchdrungen war vom Geist Gottes und dass dieser Geist nach seiner Himmelfahrt in den Christen lebendig bleibt und unter ihnen weiterwirkt, hat dann im weiteren Nachdenken der Kirche zum Glauben an die Dreifaltigkeit Gottes geführt. Wenn also etwas unseren Gott kennzeichnet, wenn es Worte gibt, den bildlosen Gott zu beschreiben und den Unsagbaren auszusprechen, dann ist es wohl der einfache Satz, der sich beim Evangelisten Johannes findet und den unser Heiliger Vater durch sein erstes Weltrundschreiben gleichsam zum Leitwort seines Pontifikates erhoben hat: „Deus caritas est – Gott ist die Liebe“ (1Joh 4,8). Von diesem Wort her können wir heute vielleicht am ehesten eine Ahnung von jenem Geheimnis gewinnen, das wir die göttliche Dreifaltigkeit nennen. Ein Gott, der nämlich nicht nur liebt und Liebe hat, sondern dessen innerstes Wesen Liebe ist, kann gar nicht als einsames Wesen an der Spitze des Weltalls gedacht werden. Ein solcher Gott muss auch in sich selbst Raum haben für die Liebe, er muss in sich selbst Beziehung sein: Ruf und Antwort, Liebe und Gegenliebe. Nicht der unbewegte Beweger der Philosophen ist unser Gott, sondern ein Gott, der Person ist und zwar eine Person, die einen jeden von uns mit liebenden Augen anblickt und die auf unsere Gegenliebe wartet. In Jesus von Nazaret kommt uns dieser geheimnisvolle Gott mit einem wahrhaft menschlichen Antlitz entgegen und mit Hilfe des Heiligen Geistes können wir Christen diese Wahrheit immer tiefer durchdringen.

Liebe Schwestern und Brüder. So wie früher die Menschen dazu neigten, die Götter nach ihrem eigenen Bild zu entwerfen, so fordert uns die Kirche mit dem heutigen Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit genau umgekehrt dazu auf, unser Leben nach dem Bild Gottes zu gestalten. Wenn sich die Liebe Gottes in der Beziehung zwischen Vater und Sohn entfaltet, und wenn diese Beziehung, die wir Heiliger Geist nennen, dann überspringt auf uns Menschen, dann wird auch unser Leben buchstäblich neugeschaffen und von innen heraus verwandelt zum Guten. Wenn wir uns so vom dreifaltigen Gott verwandeln lassen, dann werden wir als Kirche – wie es das Konzil gewollt hat – immer mehr zu einem wirklichen Abbild der Dreifaltigkeit, nicht durch viele Worte, sondern – was viel entscheidender ist – durch unsere Ausstrahlung und unser Leben.

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Wolfgang Kühnhold

Sonntags um 11 Uhr in der Gaukirche

Messe im klassischen Ritus bereichert das liturgische Angebot auch in Paderborn

Auf Grund des päpstlichen Erlasses ‚Summorum Pontificium’ im vergangenen Jahr ist nun auch durch den Paderborner Erzbischof eine liturgische Wiederbelebung des klassisch römischen Ritus ermöglicht worden. Diese durch das Konzil von Trient (1545 – 1563) bestätigte Messe gehört zu den ältesten Riten der katholischen Kirche und ist zeitlos, ja man könnte sagen, überzeitlich. Die historischen Kirchengebäuden eignen sich in außerordentlicher Weise, denn sie sind gerade aus diesem überzeitlichem Verständnis heraus entstanden, geplant, gebaut und zu diesem Zweck eingerichtet und geweiht.

Selbst außenstehende Kritiker, wie der Soziologe Alfred Lorenzer, müssen immer wieder feststellen: Die Messe im Ritus dieser kirchlichen Tradition ist von beeindruckender Erhabenheit. Auf einzigartiger Weise spricht diese Liturgie die Sinne an: Mit dem Auge schaut man die Kostbarkeit der Ausstattung, die Vielfalt der Kerzen, den Altarschmuck, die kostbaren Gewänder, die Zeremonien in den rituellen Gesten des Priesters, in seinen Kniebeugen, in den Handlungen und Gängen der Ministranten... mit den Ohren hört man die altbekannte katholische Kirchenmusik, den gregorianischen Choral, die Gesänge im Wechsel zwischen Priester, Chor und Gemeinde, das Spiel der Orgel... alles das eine geheimnisvolle, aber heilsame Mischung, die dem Menschen in der Rastlosigkeit der Zeit ein Gefühl von Ruhe, Heimat und Geborgenheit vermitteln kann. Aber nicht nur das. Tiefer gehende Dimensionen dürfen nicht unerwähnt bleiben. Denn gerade die Jugend – und wohl nicht nur sie! - sucht heute nach spirituellen Erlebnissen. Oft glaubt man diese in fernöstlichen Meditationstechniken gefunden zu haben; allein, diese können bei den meisten nur vordergründig wirken und müssen letztlich verschlossen bleiben, da sie unserem Kulturkreis in ihren tiefsten Eigenheiten fremd sind. Im Kultus der gregorianischen Messe dagegen können sich die spirituellen Dimensionen für jeden einzelnen in einem Maße erschließen, das sich nicht von außen aufdrängt, sich nicht einer erlernbaren Technik bedient, sondern das sich aus dem Fassungsvermögen eines jeden einzelnen in den verschiedensten Formen der Mitfeier ergibt: Vom bloßen Zusehen bis zum aktiven Mitvollzug der Gebete.

Dabei folgt dieser Ritus einem inneren Gefüge, das sich in einer Tradition über mehr als ein Jahrtausend herausgebildet hat. Zwar hat es gerade im 20. Jahrhundert Mißbrauch in der Ausführung gegeben – ein Faktum, das letztlich mit dafür verantwortlich war, daß diese Form nicht mehr gewünscht wurde und beinahe verschwunden war. Es gab und gibt aber gerade ältere Menschen, denen dieser Ritus nach wie vor etwas bedeutet, die zur neuen Form der Messe keine rechte Beziehung gewinnen konnten. Zudem: In der letzten Zeit ist auffällig, daß immer mehr junge Menschen diesen Ritus kennenlernen möchten, ihn sich als Möglichkeit neben der ordentlichen Form wünschen und die Besonderheiten und Qualitäten dieser Feier lieben und nicht mehr missen möchten. Es sind also nicht die „ewig Gestrigen“, die sich um diesen Ritus bemühen, sondern gerade solche Christen, die den Reichtum der katholischen Liturgie um diesen wesentlichen Schatz erweitert sehen wollen. Das bestätigen Meldungen von Gemeinden außerhalb Europas und vor allem in den USA, wo dieser Ritus geradezu das kirchliche Leben aufblühen und die Zahl der Katholiken ansteigen läßt.

Nun hat die Pfarrei der Innenstadt auf Bitten des Erzbischofs die Kirche St. Ulrich (Gaukirche) für die Feier dieses außerordentlichen Ritus zur Verfügung gestellt. Im September hatte der Erzbischof bereits die Krypta des Domes für eine Meßfeier in der Woche ausgewiesen. Damit kann sich also jeder von der Wirksamkeit dieser Form der Heiligen Messe überzeugen, sei es in Anknüpfung an Erfahrungen von vor 40 Jahren, sei es in einer Erstbegegnung. Auch wenn jemand für sich keinen Zugang zur gregorianischen Messe finden kann – ein Urteil darüber darf man sich eigentlich erst erlauben, wenn man diesen Gottesdienst vorbehaltlos kennengelernt und ihn mitgefeiert hat. Und dazu ist in Paderborn nun gute und vorbildliche Gelegenheit gegeben: An jedem Sonn- und Feiertag um 11 Uhr in der Gaukirche und an jedem Mittwoch um 18.30 Uhr in der Krypta des Domes.

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Pro Missa Tridentina

Neubeginn in Paderborn

Artikel aus dem Rundbrief der Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der kath. Kirche e.V.
Nr. 34, März 2008 (mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung von Pro Missa Tridentina)