Inhalt:
- "Wallfahrt
nach altem Ritus" [Bericht zur
Marienwallfahrt nach Kleinenberg vom 16.
Mai 2010] aus Westfalen-Blatt 31. 05.
2010
- "Was
feiern wir am Sonntag" von Benedikt
XVI./Joseph Ratzinger
- "Lehre
über das Heilige Messopfer" Konzil
von Trient, Sessio XXII.
- "Jeder
kann offen dazu stehen" [Artikel zu
1 Jahr MP "Summorum
Pontificum"] aus neue bildpost 2008
- "Es
sind nicht die ewig Gestrigen"
[Plädoyer für Messe im röm. Ritus) aus
Neue Westfälische 13. 08. 2008
- "Thomas
von Aquin: Der Ritus des
Altarssakramentes" (Summa theol.,
Frage 83) übersetzt von Werner Luig
- "Paderborner
Wallfahrt zur Helferin vom Berge"
(Marienwallfahrt am 4. Mai 2008) von
Wolfgang Kühnhold
- "Ein
Leben nach dem Bild Gottes" (Predigt
zum Dreifaltigkeitssonntag 2008) von
Vikar Thomas Zwingmann
- "Sonntags
um 11 Uhr in der Gaukirche"
(Bereicherung des liturg. Angebotes in
PB) von Wolfgang Kühnhold
- "Neubeginn
in Paderborn" (2 Artikel aus dem
Rundbrief PMT, Nr. 34, März 2008) von
Pro Missa Tridentina
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Westfalen-Blatt

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Papst
Benedikt XVI. /Joseph Ratzinger
Was feiern
wir am Sonntag?
in:
Internationale katholische Zeitschrift Communio,
11. Jahrgang (1982). Einsiedeln/Freiburg 1982
Es war ungefähr im
Jahre 110 nach Christi Geburt. Ignatius, Bischof
von Antiochien, wurde zu Schiff von Syrien nach
Rom gebracht, um dort den wilden Tieren
vorgeworfen zu werden. Mit gefesselten Händen
schrieb er auf dieser Fahrt sieben Briefe an die
christlichen Gemeinden, die im Bereich seiner
Reiseroute lagen. In einem dieser Briefe steht
der Satz: "Wir feiern nicht mehr den Sabbat,
sondern leben unter Beobachtung des Herrentages
(des Sonntags), an dem auch unser Leben
aufgegangen ist ..." (Magn. 9, 1). Die
Christen werden hier förmlich als die Menschen
beschrieben, die vom Sonntag her leben. Das
Halten des Sonntags bestimmt ihren
Lebensrhythmus, prägt ihre innere Lebensform. Am
Sonntag ist ihr Leben aufgegangen; der Sonntag
ist für sie sozusagen die Stelle im Gewebe der
Zeit, an der man an das Leben selbst herankommt,
einmal erfährt, was wirklich Leben heißt. Diese
Erfahrung vom eigentlichen Leben trägt dann auch
die Woche hindurch. Sie bleibt sozusagen der
Grundton, der sich im Lärm der Woche durchhält
und dessen Echo immer neu den Weg in die
Lichtung, ins Helle finden lässt.
Die Christen sind die Menschen des Sonntags, sagt
Ignatius. Was bedeutet das? Bevor wir uns fragen,
wie man es macht, "den Sonntag zu
beobachten", müssen wir überlegen, was wir
Christen eigentlich am Sonntag feiern. Der
eigentliche und erste Grund für die
Sonntagsfeier besteht darin, dass an diesem Tag
Christus von den Toten auferstanden ist. Damit
hat er eine neue Zeit begonnen: Erstmals ist
jemand von den Toten zurückgekehrt und stirbt
nicht mehr. Erstmals hat jemand den Kerker der
Zeit durchbrochen, der uns alle gefangen hält.
Aber Jesus ist nicht in die Ewigkeit entflohen.
Er hat die Zeit nicht einfach wie ein abgelegtes
Gewand hinter sich gelassen, sondern er bleibt
bei uns. Er ist zurückgekommen und geht nicht
mehr fort. Die Feier des Sonntags ist demnach vor
allem ein Bekenntnis, dass Jesus lebt. Sie ist
damit auch ein Bekenntnis, dass Gott lebt und dem
Menschen Leben gibt über den Tod hinaus. Sie ist
ein Bekenntnis, dass wir etwas zu hoffen haben.
Sie ist ein Bekenntnis, dass die Liebe bleibt,
und darum ein Bekenntnis, dass es gut ist, zu
leben.
Sehr früh haben sich die Christen gefragt: Warum
hat der Herr gerade diesen Tag gewählt? Was
wollte er damit sagen? Nach jüdischer Zählung
war der Sonntag der erste Tag der Woche. Es war
als der Tag der Weltschöpfung. Es war der Tag,
an dem Gott aus seiner Ruhe herausgetreten war
und gesprochen hat: "Es werde Licht!"
(Gen 1, 3) Die Auferstehung Jesu Christi bedeutet
nicht etwa die Rücknahme der Schöpfung, sondern
ihre endgültige Bestätigung. Denn Auferstehung
heißt ja, dass die materielle Welt nie mehr
untergehen wird. Sie ist in der Auferstehung
Christi ins Geheimnis Gottes selbst
hineingekommen. Auferstehung ist die endgültige
Bestätigung des Wortes, mit dem die
Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes
schließt: "Gott sah alles, was er gemacht
hatte, und fürwahr, es war sehr gut" (Gen
1, 31). Auferstehung bedeutet, dass Gott
endgültig sein "gut" zur Schöpfung
sagt. Er sagt es, indem er sie in sich selbst
aufnimmt und sie damit über alle
Vergänglichkeit hinaus ins Bleibende verwandelt.
Der Sonntag ist der erste Tag der Woche,
derSchöpfungstag, das bedeutet also: Der Sonntag
ist auch der Tag des Dankes für die Schöpfung.
Das hat gerade in unserer technischen Welt eine
besondere Bedeutung gewonnen. Die Schöpfung ist
uns übergeben von Gott als unser Lebensraum, als
Raum unserer Arbeit und unserer Muße, in dem wir
das Lebensnotwendige und das Überflüssige
finden, die Schönheit der Bilder und der
Klänge, die der Menschh genauso braucht wie
Nahrung und Kleidung. "Macht euch die Erde
untertan", hat Gott zum Menschen gesagt (Gen
1, 28). Das bedeutet aber nicht: Beutet sie aus!
Vergewaltigt sie! Sondern es bedeutet: Pflegt
sie! Drückt ihr das Antlitz des Geistes auf!
Entfaltet, was in ihr ist! So wird sie euch
dienen und ihre Bestimmung erfüllen. Das Wort
"Kultur" kommt aus der gleichen Wurzel
wie das Wort Kult. Es schließt sowohl die
Gesinnung des Pflegens wie die des Verehrens, der
Ehrfurcht mit ein. Es bedeutet, die Dinge so zu
pflegen, dass wir darin Gottes Schöpfung ehren
und so Gott selbst verehren.
Jeder Sonntag ist demgemäß ein Fest der
Schöpfung. Er ist immer auch ein Bekenntnis zum
ersten Glaubensartikel: Ich glaube an Gott, den
Schöpfer des Himmels und der Erde. Er will uns
daran erinnern, dass wir vor unserem Tun schon
beschenkt sind mit der Gabe der Schöpfung. Er
will uns die Gesinnung der Dankbarkeit und der
Ehrfurcht wecken. Vom Sonntag her leben bedeutet
also auch, von diesen Gesinnungen und von dieser
Grundorientierung her die Arbeit in der Welt
einrichten. Das bedeutet die Bereitschaft zum
Maßhalten im Benützen der Schöpfung: Wir
dürfen sie gebrauchen, aber nicht verbrauchen.
Es nützt nichts, wenn wir plötzlich an
irgendeiner Stelle gegen neue Unternehmungen zu
protestieren beginnen. Das bleibt unlogisch und
unsinnig, wenn wir nicht vom Verbrauchen zum
Gebrauchen, vom Ausnützen zum Pflegen umkehren.
Sonntäglich leben heißt unterwegs sein zu
dieser Gesinnung; es bedeutet wirklich einen
ganzen Lebensstil, den wir gerade als Christen in
dieser Zeit mit neuer Entschiedenheit suchen
müssen ...
Wir hatten bisher gesagt: Der Sonntag ist der
Auferstehungstag Jesu Christi. Er ist als der
erste Tag der Schöpfungstag. Von einer anderen
Sicht her konnte man auch sagen: Er ist nach dem
siebten Tag, dem Sabbat, der achte Tag. Er ist
der Tag, der nach der Weltwoche der
Schöpfungszeit liegt; der Tag, der über unsere
Zeit hinausweist auf die neue Welt. Die Zahl 8
ist den Christen zum Symbol für die kommende
Welt geworden. Sie haben zum Beispiel die
Taufkirchen in der Form des Achtecks gebaut, um
anzudeuten, dassdarin die Geburt für die neue
Welt erfolgt, die mit der Auferstehung Christi
begonnen hat. So feiern wir mit dem Sonntag auch
unseren Glauben an die Wiederkunft des Herrn. Er
ist nicht nur ein Tag des Dankes und der
Rückschau, sondern vor allenm auch ein Tag der
Hoffnung - Aufbruch in die Zukunft hinein. In der
Eucharistiefeier beginnt für uns schon immer die
Wiederkunft Christi: Der Herr tritt zu uns herein
durch die verschlossenen Türen unserer Angst wie
damals am Ostermorgen zu den Jüngern (Joh 20,
19). Christentum ist nicht eine Religion der
Vergangenheit, sondern als Christen haben wir das
Entscheidende noch vor uns.
Der Herr kommt, und wir gehen ihm entgegen. Wir
haben etwas zu hoffen: das Reich Christi, das
Reich Gottes. Wir können vertrauend der Zukunft
entgegensehen; sie wird größer sein als die
Vergangenheit. Aber wir können nur dann
vertrauen, wenn wir mit Christus gehen. Und wir
bauen nur dann wirklich auf, wenn wir mit ihm
bauen. Christsein bedeutet so zu leben, dass wir
auf dem Weg zu Christus sind. Nur so gehen wir
wirklich vorwärts.
Während die Christen für die übrigen Tage der
Woche keinen Namen erfanden, sondern sie einfach
der Reihe nach durchgezählt haben, haben sie
diesem Tag einen neuen Namen gegeben: Herrentag.
So heißt er heute noch in den romanischen und
slawischen Sprachen. In den germanischen Sprachen
hat man die alte Bezeichnung - Tag der Sonne -
gelassen, weil Christus die aufgehende Sonne ist.
Ihn sahen die Christen hinter dem Schöpfungswort
"Es werde Licht"; ihn erwarteten sie
als das endgültige Licht, das aus der Nacht des
Todes aufgeht zu einem Tag, der keinen Abend mehr
kennt, weil die wahre Sonne - die Liebe - nie
mehr untergeht.
Wie feiern wir den Sonntag?
Zunächst ist aus dem Bisherigen wohl klar
geworden, dass der Sonntag nicht ein beliebiger
freier Tag ist, den man nach eigenem Ermessen in
der Woche herumschieben kann. Als Tag der
Auferstehung Jesu Christi, als der erste und
zugleich achte Tag, der auch den Sabbat und so
die Einheit von Schöpfung und Bund in sich
aufgenommen hat, ist er uns vorgegeben: ein
Zeichen des Schöpfers und des Erlösers, des
Dankes und der Hoffnung im Rhythmus unserer Zeit,
das wir nicht erfunden haben, sondern empfangen
als Vorgabe für unseren Umgang mit der Zeit. Als
Tga der Teilnahme an Gottes Ruhe und als Tag der
Ankunft des Auferstandenen, der seine ins Private
geflüchteten Jünger zusammenholt, um mit ihnen
Brot zu brechen, ist dies der Tag des
Gottesdienstes, den wiederum nicht wir erdacht
haben: Der erste Tag ist gleichsam das Fenster,
das der Herr durch seine Auferstehung in die
Mauer der Zeit hineingebrochen hat. Er ist im
Rhythmus der Zeit Stunde seiner Wiederkunft, und
dieses Ankommen Christi bei uns bedeutet:
eins-sein im Brotbrechen, in dem er wahrhaft zu
uns hereintritt, wahrhaft gegenwärtig wir mit
uns und in uns.
Deswegen ist das Sonntagsgebot nicht eine
willkürliche Erfindung der Kirche. Das Gebot
drückt nur in rechtlicher Form aus, was als
Tatsache für die Kirche von den Aposteln her in
ihrem Antwortgeben auf das Geschehen des ersten
Tages von Anfang an gegenwärtig gewesen ist. So
berichtet uns die Apostelgeschichte, dass Paulus
in Troas am Sonntag die Eucharistie feierte (20,
6-11); die sonntägliche Eucharistiefeier wird
hier schon als feste Übung der Christenheit
vorausgesetzt.
Aus dem 1. Korintherbrief des heiligen Paulus
wissen wir, dass der Sonntag der Tag der Kollekte
für die Kirche von Jerusalem war (1 Kor 16, 1
f.); so wird auch schon der Zusammenhang von
Gottesdienst und Caritas, Freisein für Gott und
Freiwerden für den Menschen sichtbar. Johannes
datiert in der Geheimen Offenbarung seine erste
Vision ausdrücklich auf den Tag des Herren (Apk
1, 10): Auf dieser Weise beteiligt der Herr
gleichsam den Verbannten, der der eucharistischen
Gemeinschaft der Kirche beraubt ist, am
gemeinsamen Gottesdienst, an seiner österlichen
Anwesenheit. Die so genannte Lehre der Apostel,
ein etwa zwischen 90 und 100 entstandenes Buch,
sagt aus einer längst selbstverständlich
gewordenen Tradition heraus: "Am Herrentag
des Herrn aber versammelt euch, brecht das Brot
und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Sünden
bekannt habt, damit euer Opfer rein sei"
(Did 14, 1). Halten wir also fest: Es steht nicht
im Belieben der Kirche oder des einzelnen
Christen, ob und wann wir Gottesdienst feiern
wollen und was wir mit dem Sonntag machen. Der
Sonntag ist die Antwort der Kirche auf das, was
der Herr getan hat und tut: Er hat diesen Tag zu
seinem Tag und zu unserem Tag, zum Tag der
gemeinsamen Versammlung mit ihm im Gottesdienst
der Kirche gemacht.
Damit sind auch schon einige weitere Fragen
beantwortet. Es könnte einer sagen: Ich mag die
schlechte Luft in den Kirchenräumen und die
müden Gesänge nicht. Mich stört es, eingeengt
zwischen allerhand Leuten zu knien, die ich nicht
kenne und einen Pfarrer Gebete vortragen zu
hören, die mir unverständlich sind. Ich gehe
lieber auf die Berge, in den Wald, ans Wasser und
bin frömmer in Gottes freier Natur als in einer
Versammlung, die mir nichts bringt. Darauf ist zu
sagen: Es kann nicht so sein, dass wir uns
heraussuchen, ob und wie wir Gott verehren
wollen; es kommt darauf an, dass wir ihm dort
antworten, wo er sich uns gibt. Wir können nicht
aus Eigenem festsetzen, wo Gott uns begegnen
muss, und wir können nicht von uns aus bis zu
ihm hinlangen wollen. Er kann zu uns gehen und
sich finden lassen, wo er es will. Deswegen
müssen wir ihm dort antworten, wo er uns im
Voraus geantwortet hat, und nicht dort, wo wir
ihn gerne haben möchten. Eucharistie feiern
bedeutet, dass wir in die schon gegebene Antwort
Gottes hineintreten und in ihr selbst Antwortende
werden. Nicht irgendein frommes Gefühl zählt,
das Religion ins Unverbindliche und Private
abdrängt, sondern der Gehorsam, der seinen Ruf
annimmt. Der Herr will nicht unsere privaten
Gefühle, sondern er will uns zur Gemeinschaft
versammeln und vom Glauben her die neue
Gemeinschaft der Kirche bauen. In den
Gottesdienst gehört der Leib und gehört die
Gemeinschaft hinein mit ihren Mühsalen und
Unbequemlichkeiten. Deshalb ist auch die
Fragestellung falsch: Was bringt mir das?
Im Gottesdienst können wir nicht einfach als
passive Empfänger sein, die sich mit schönen
Gefühlen berieseln lassen und am Ende den Ertrag
für das eigene psychische Wohlbefinden messen,
um daran den Wert des Gottesdienstes zu taxieren.
Im Gottesdienst geht es nicht darum, dass
"es" etwas bringt, sondern dass wir uns
bringen, in den Gehorsam des Glaubens und der
Kirche hinein. Das wird nicht sofort im messbaren
psychischen Gewinn greifbar, es kann zunächst
eher mühsam sein. Aber wer sich immer wieder
durch den Gottesdienst fordern lässt, wer die
Mühsal des gemeinschaftlichen Betens mit den
uralten Gebeten des Glaubens aufnimmt, wer
glaubend und betend in die Tiefe dieses
Gebetsstromes eindringt, der erfährt, wie er
allmählich über sich hinausgenommen wird; sein
Denken und sein ganzes Leben vertieft sich, es
wird gereinigt und frei. Es geht gar nicht mehr
um das eigene kleine Ich; wer Sonntag um Sonntag
die Eucharistie der Kirche feiert, nimmt an der
Größe und Weite des welt- und zeitumspannenden
Betens der Kirche teil und darin an der Weite
Jesu Christi selbst, der in der Eucharistie seine
Verheißung erfüllt: "Wenn ich erhöht bin
von der Erde, werde ich alle an mich ziehen"
(Joh 12, 32). Deswegen geht es auch nicht an, die
Eucharistie zum Objekt beliebiger Gestaltung zu
machen, in denen das Große auf unseren Maßstab
heruntergeschraubt wird: Nicht die Eucharistie
müssen wir auf unser Maß bringen, sondern uns
müssen wir auf ihr Maß, das Maß Jesu Christi
bringen lassen.
Damit sind auch schon ein paar weitere Fragen
beantwortet, die sich in diesem Zusammenhang
aufdrängen. Die Kirche hat nicht das Recht, die
sonntägliche Eucharistiefeier durch andere
Gottesdienste zu ersetzen. Dies kann nur in
wirklichen Notfällen geschehen. Wenn der Notfall
gegeben ist, muss im Einzelnen sorgfätig
abgewogen werden. Ein Priester kann nach alter
kirchlicher Ordnung an einem Tag nicht mehr als
dreimal die Eucharistie feiern - das ist ein
Maßstab. Die Zumutbarkeit des Weges zu einer
Kirche mit Eucharistiefeier für die Gläubigen
ist der andere Maßstab, bei dem die Gemeinden
und die einzelnen Christen zusammen mit ihrem
Pfarrer sich sorgfältig prüfen müssen. Die
jetzige Situation, in der nicht an allen alten
Gottesdienstorten jeden Sonntag Eucharistie
gefeiert werden kann, muss ein Anlass sein,
gegenseitig die geistliche Gastfreundschaft zu
erlernen: Kein Ort darf sich in sich selbst
verschließen und nur in die eigene Kirche gehen
wollen. Katholisch ist es, gerade am Sonntag
zueinander zu gehen, die Grenzen festgefügter
Gemeinschaften zu überschreiten, einander
aufzunehmen und anzunehmen; gerade solche
Gastlichkeit, die Freundschaft wird und zu einem
größeren Miteinander führt, gehört zum Wesen
der Eucharistie. In diesem Sinn könnte die
gegenwärtige Notsituation auch eine Chance sein,
im tiefsten Sinn des Wortes
"katholisch" zu werden, nämlich
offener füreinander, einfallsreicher im
gegenseitigen Dienen: Alte und Kranke
mitzunehmen, nicht nur, sich zwischen Gemeinden
auszutauschen, sondern auch innerhalb davon sich
gegenseitig umeinander zu kümmern, um gemeinsam
zur Kirche zu kommen. Hier öffnet sich ein
großes Betätigungsfeld für eine lebendige
Weise, miteinander Kirche zu sein.
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Das Konzil
von Trient
Lehre über
das Heilige Messopfer
Sessio
XXII.
Das Konzil von
Trient lehrt:
Die
Unzulänglichkeit des levitischen Priestertums
war die Ursache, dass im Alten Bund nichts zur
Vollkommenheit gelangen konnte. Nach dem
Ratschluss Gottes, des Vaters der Barmherzigkeit,
sollte ein anderer Priester auftreten, ein
Priester nach der Ordnung des Melchisedech (Hbr
7, 11), unser Herr Jesus Christus, der fähig
wäre, alle zu vollenden, d.h. alle zur
Heiligkeit Berufenen (quotquot sanctificandi
essent) zur Vollkommenheit zu führen.
Nur ein einziges Mal brachte Jesus Christus,
unser Gott und Herr, sich selbst seinem
himmlischen Vater auf dem Altar des Kreuzes dar
in einer Hinopferung, bei welcher der Tod
eintrat. Durch diesen Tod wurde unsere ewige
Erlösung bewirkt. Indessen sollte dadurch sein
Priesteramt nicht erlöschen (Hbr 7, 24). Er
hinterließ vielmehr beim letzten Abendmahl, vor
seinem Verrat, der Kirche, seiner geliebten
Braut, ein sichtbares Opfer wie es unsere
menschliche Natur verlangt: ein wirkliches, nicht
bildhaftes Opfer. Dieses Opfer sollte zugleich
die Darstellung seines blutigen Opfers sein, das
er ein für allemal kurz darauf am Kreuze
vollbrachte.
Er erklärte sich selbst für den "Priester
in Ewigkeit nach der Ordnung des
Melchisedech" (Ps 109, 4), opferte Gott,
seinem Vater, seinen Leib und sein Blut auf unter
den Gestalten von Brot und Wein, gab sein Fleisch
und Blut unter diesen Gestalten seinen Aposteln
zur Speise und zum Trank und setzte sie in diesem
Augenblick zu Priestern des Neuen Testamentes
ein.
Ihnen und ihren Nachfolgern im Priesteramt gab er
den Befehl, seinen Leib und sein Blut
darzubringen mit den Worten: "Tut dies zu
meinem Gedächtnis" (Lk 22, 19). In diesem
Sinn hat die katholische Kirche stets diese Worte
aufgefasst; stets hat sie so gelehrt.
Dieses reine Opfer kann durch die Sündhaftigkeit
und Bosheit der darbringenden Priester nicht
befelckt werden; denn der Herr ließ durch den
Propheten Malachias verkünden, "dass seinem
Namen, der groß ist unter den Völkern, an allen
Orten ein reines Opfer dargebracht würde"
(Mal 1, 11), das der heilige Paulus in seinem
Brief an die Korinther deutlich genug
kennzeichnet. Er schreibt: "Ihr, die ihr
euch durch Anteilnahme am Tisch der bösen
Geister befleckt habt, könnt nicht Anteil haben
am Tische des Herrn." (1 Kor 10, 21). In
beiden Fällen bezeichnet hier "Tisch"
soviel als "Altar". Dieses Opfer auf
dem Altar ist aber jenes ganz erhabene, das in
den Opfern des Naturgesetzes und des Mosaischen
Gesetzes seine schwachen Vorbilder hat (Gen 4, 4;
8, 20; 12, 8; 22, 2).Es enthält in der Tat alle
jene Güter, welche die früheren Opfer
andeuteten; es ist deren Erfüllung und
Vollendung.
In diesem göttlichen Opfer der heiligen Messe
ist derselbe Christus enthalten, wird derselbe
Christus geopfert, der sich im blutigen Opfertod
am Altare des Kreuzes einmal hingegeben hat.
Deshalb ist das Messopfer ein wirkliches
Versöhnungsopfer (nicht bloß ein Lob- und
Dankopfer) (Hbr 9, 28). Nähern wir uns daher
Gott mit aufrichtigem Herzen und rechtem Glauben
, mit Furcht und Ehrfurcht, reuig und bußfertig,
dann lässt es uns Barmherzigkeit finden und
gewährt uns Gnadenhilfe zur rechten Zeit. Der
Herr wird in der Tat durch dieses Opfer
besänftigt und erteilt reichlich die Gnade und
Gabe der Bußfertigkeit. Er verzeiht die Vergehen
und Sünden, selbst wenn sie unendlich groß
gewesen wären.
Das Opfer (am Kreuze und auf dem Altar) ist
tatsächlich nur ein und daselbe. Derjenige, der
sich heute durch den Dienst der Priester opfert,
ist der nämliche, welcher sich einst am Kreuze
geopfert hat; nur einen Unterschied gibt es: er
besteht in der Art der Darbringung. Wir empfangen
in wunderbarer Fülle die Früchte dieser
blutigen Hinopferung in der heiligen Messe.
Nach der von den posteln erhaltenen
Überlieferung wird das Opfer nicht nur
dargebracht für die Sünden, Strafen,
Genugtuungen und sonstigen Bedürfnisse der
lebenden Gläubigen, sondern auch für die,
welche in Christus entschlafen und noch nicht
vollkommen gereinigt sind.
Die Kirche wünscht, dass die Gläubigen in der
Messe, der sie beiwohnen, die heilige Kommunion
nicht nur geistig empfangen, sondern
sakramentalerweise kommunizieren, damit ihnen die
Frucht dieses hochheiligen Opfers in noch
reichlicherer Fülle zufließe.
Das heilige Messopfer werde mit all der
Hochschätzung und Verehrung dargebracht, welche
die Tugend der Gottesverehrung einflößen kann.
Welch große Sorgfalt bei der Messfeier
aufgewendet werden soll, lässt sich leicht
erkennen aus dem Wort der Heiligen Schrift:
"Verflucht sei jeder, der das Werk Gottes
nachlässig verrichtet." (Jer 48, 19). Wir
müssen anerkennen, dass die heilige Messe die
heiligste Handlung ist, die Christgläubige
vornehmen können, und dass es kein göttlicheres
und ehrfurchtgebietenderes Geheimnis gibt, wie
jenes, in dem das lebendigmachende Opferlamm
täglich von den Priestern auf den Altären
geopfert wird, durch das wir mit Gott, dem Vater,
versöhnt worden sind.
Daraus geht zur Genüge hervor, dass jegliche Art
von Sorgfalt und Fleiß aufgewendet werden muss,
damit die heilige Messe in möglichst lauterer
Gesinnung und innerer Herzensreinheit, wie auch
in den äußerlich sichtbaren Zeichen von Andacht
und Frömmigkeit gefeiert werde.
Die menschliche Natur ist so beschaffen, dass sie
sich ohne die Mithilfe der sinnenfälligen Dinge
nur sehr schwer zur Betrachtung des Göttlichen
erheben kann. Deshalb hat unsere gütige Mutter,
die Kirche, Riten bei der Messfeier angeordnet.
Gewisse Vorschriften bestimmen, dass manches
leise, anderes wieder laut gebetet werde. Von den
Aposteln und der Überlieferung belehrt, hat sie
Zeremonien, geheimnisvolle Segnungen, Lichter,
Rauchwerk, Paramente udn viele ähnliche Dinge
eingeführt, die dazu bestimmt sind, die
Erhabenheit eines so großen Opfers in steter
Erinnerung zu erhalten. "Gerade durch diese
sichtbaren Zeichen der Gottesfurcht und
Frömmigkeit wird der Geist der Gläubigen
besonders angetrieben, sich zur Betrachtung der
übersinnlichen Dinge zu erheben, die in diesem
Opfer verborgen liegen. " (Der heilige
Vinzenz Ferrier konnte sagen: "Missa est
altius opus contemplationis quod possit esse. -
Die Messe ist der höchste Gegenstand der
Betrachtung, den es geben kann.")
(entnommen:
Dom Eugen Vandeur: "Das Heilige Messopfer -
Führer zur Heiligkeit - Geisteserhebungen",
Regensburg 1930)
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neue
bildpost 2008

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Neue
Westfälische/Lokalteil vom 13. August 2008

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Thomas von
Aquin (übersetzt von Werner Luig)
Der Ritus
des Altarssakramentes.
Summa
Theologica, III. Buch, 30. Band. 83. Frage
83. Frage
Der Ritus
dieses Sakramentes
Artikel 1
Wird in der Feier dieses Sakramentes Christus
geopfert?
1) Es
scheint, dass in der Feier dieses Sakramentes
Christus nicht geopfert wird. In Hebr. 10 wird
nämlich gesagt, dass Christus in einer einzigen
Opfergabe für immer die Geheiligten vollendet.
Aber jene Opfergabe war seine Opferung. Christus
wird also nicht geopfert in der Feier dieses
Sakramentes.
2) Außerdem
ist die Opferung Christi am Kreuz geschehen, an
dem "er sich selbst als Darbringung und
Opfergabe Gott hingab im Geruch der
Lieblichkeit", wie es in Eph. 5 heißt. Aber
in der Feier dieses Geheimnisses wird Christus
nicht gekreuzigt. Also wird er nicht geopfert.
3) Außerdem
sind, wie Augustinus sagt, in der Opferung
Christi der Priester und die Opfergabe dasselbe.
Aber in der Feier dieses Sakramentes sind der
Priester und die Opfergabe nicht dasselbe. Also
ist die Feier dieses Sakramentes nicht die
Opferung Christi.
Dagegen aber
sagt Augustinus: "Einmal ist Christus in
sich selbst geopfert worden und dennoch wird er
täglich im Sakrament geopfert."
Ich
antworte indem ich sage, dass aus
zweifacher Überlegung die Feier dieses
Sakramentes Opferung Christi genannt wird.
Zuerst, weil nach Augustinus "gewöhnlich
die Bilder mit den Namen der Dinge benannt
werden, deren Bilder sie sind", so sagen
wir, wenn wir ein Bild oder Wandgemälde
betrachten. "Der ist Cicero, der
Sallust." Die Feier dieses Sakramentes aber
ist, wie oben gesagt, gewissermaßen ein Bild,
das das Leben Christi vergegenwärtigt, das
dessen wahre Opferung ist. Daher wird die Feier
dieses Sakramentes Christi Opferung genannt.
Daher sagt Ambrosius: "In Christus ist
einmal dargebracht worden die Opfergabe, die das
ewige Heil zu bewirken vermag. Was ist mit uns?
Opfern wir nicht jeden Tag (diese Opfergabe) zur
Erinnerung an dessen Tod?" Auf andere Weise
(wird die Feier dieses Sakramentes Opferung
Christi genannt) bezogen auf die Wirkung des
Leidens Christi, da wir freilich durch dieses
Sakramentes teilhaftig gemacht werden der Frucht
des Herrenleidens. Daher wird auch in einem
sonntäglichen Stillgebet gesagt: "Sooft die
Erinnerung dieses (Schlacht-) Opfers gefeiert
wird, wird das Werk unserer Erlösung
ausgeführt."
Was also die erste
Weise betrifft, konnte gesagt werden, dass
Christus auch in den Gestalten des Alten
Testamentes geopfert wurde. So heißt es in Offb.
13: "Deren Namen sind aufgeschrieben im
Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet wurde vom
Beginn der Welt an."
Was nun die zweite Weise betrifft, so ist es
diesem Sakrament eigentümlich, dass in seiner
Feier Christus geopfert wird.
Zum Ersten
ist also mit Ambrosius zu sagen: "Es ist
eine Opfergabe", die nämlich Christus
dargebracht hat und die wir darbringen, "und
nicht viele, weil Christus sich einmal
dargebracht hat, dieses (unser) Opfer aber ist
Abbild jenes (Christi) Opfers. So ist es nämlich
ein Leib, wo immer er auch dargebracht wird, und
nicht viele Leiber, ebenso ist es auch eine
Opferung."
Zum Zweiten
ist zu sagen: Wie die Feier dieses
Sakramentes ein Bild ist, das das Leiden Christi
gegenwärtig setzt, so ist der Altar eine
Vergegenwärtigung des Kreuzes selbst, an dem
Christus in seiner eigenen Gestalt geopfert
worden ist.
Zum Dritten
ist zu sagen: Aus derselben Überlegung
handelt auch der Priester als Bild Christi, in
dessen Person und Kraft er die Worte der
Konsekration ausspricht, wie sich aus dem
Gesagten ergibt. So sind in gewisser Weise der
Priester und das Opfer dasselbe.
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Wolfgang
Kühnhold
Paderborner
Wallfahrt zur Helferin vom Berge
Marienwallfahrt
am 4. Mai 2008 nach Kleinenberg
Die Feier der Messe
im außerordentlichen Ritus erschien für viele
in Paderborn in weite Ferne gerückt. Wer diese
Form erleben und praktizieren wollte, war auf
sonntägliche Ausflüge etwa nach Gelsenkirchen
oder Münster angewiesen.
Nun hat unser
Erzbischof entschieden: An jedem Mittwoch in der
Krypta des Hohen Domes - und das ist absolut
einmalig: der außerordentliche Ritus in der
Bischofskirche! - und an jedem Sonn- und Feiertag
in der Gaukirche wird die heilige Messe in diesem
Ritus gefeiert, außer ... ja und da lag der
Punkt! ... außer an Prozessionstagen oder bei
anderer Verwendung des Gotteshauses.
Dieser Fall trat
dann zum 4. Mai ein. Die Stadtpfarrei feierte an
diesem Tag die Rückkehr der Gebeine des Heiligen
Liborius nach den Wirren des Dreißigjährigen
Krieges mit einer Prozession. So fiel die
gewohnte Messe aus - beinahe! Denn Not macht
bekanntlich erfinderisch. Der Vorschlag, an
diesem Tag eine Marienwallfahrt nach Kleinenberg
zu machen, fand raschen Zuspruch.
Und so versammelte
sich ein kleines Häuflein tapferer Wanderer
früh um sieben Uhr in der Liborikapelle, um dort
mit dem Segen Gottes und der heiligen Jungfrau
nach Kleinenberg zu wallen. Prälat Dr. Schmitz
sprach die Gebete, bevor acht Gläubige, darunter
die ehrwürdige Schwester M. Josefa, die an
diesem Tag das goldene Jubiläum ihrer Profess
auf diese Weise feierte. In Hochstimmung ging es
zunächst mit dem Auto bis nach Grundsteinheim -
die Strecke von Paderborns Innenstadt aus wurde
diesmal ausgespart, weil der Aufbruch sonst
bereits zwischen 4 und 5 Uhr hätte erfolgen
müssen. Am Parkplatz im Tal des Ellerbaches
wurden die Autos abgestellt. "Procedamus in
pace" - "In nomine Christi. Amen."
Das Startsignal war gegeben. Voran das
Prozessionskreuz, das "Te Deum" auf den
Lippen führten die ersten Schritte durch die
Straßen des noch ganz verschlafenen Dorfes.
Lediglich ein kleines Kind erschien am Fenster,
wandte sich zur Mutter in die Stube und rief so
etwas wie "Mitgehen!" Vielleicht ja
beim nächsten Mal?
Bei herrlichem
Frühsommerwetter, abwechselnd den Rosenkranz
betend und Marienlieder singend, ging es durch
Feld und Flur in Richtung Lichtenau. Nach einer
kurzen Rast bei "Schlüters Kreuz"
erreichten die Wallfahrer die Stadtverwaltung
Lichtenau, wo bereits eine zweite Gruppe wartete,
darunter Bürgermeister Wange mit seiner Frau.
Nach einer kurzen Begrüßung, bei der Herr Wange
unser aller Wunsch aussprach, dass nämlich diese
Wallfahrt am Sonntag nach Christi Himmelfahrt zur
ständigen Einrichtung werden und die beiden
Städte Paderborn und Lichtenau im Zeichen der
Helferin vom Berge kulturell näher
zueinanderbringen möge, ging es wieder bergauf,
bis sich das schöne Sauertal auftat, durch das
wir nun in der zweiten Etappe in Richtung
Kleinenberg zogen. Die Beter, nun verstärkt
durch die Lichtenauer Gruppe mit ihrem
Bürgermeister, begannen mit dem glorreichen
Rosenkranz. Unsere jüngste Wallfahrerin, gerade
mal neun Jahre alt, betete ein Gesätz vor, das
die Mutter sie gelehrt hatte, wozu Schwester
Josefa ihr einen Rosenkranz schenkte, den Papst
Johannes Paul II. geweiht hatte. Weitere Gebete
und Wallfahrtsgesänge sorgten für eine
festliche Prozession in Richtung der Helferin vom
Berge. Natürlich gab es neben den Gebeten auch
Gelegenheiten zu Gesprächen und zum
Meinungsaustausch.

In großer
Harmonie, unter dem Schutzmantel der
Gottesmutter, trafen wir dann - wie vorgesehen -
pünktlich um 11 Uhr am Hohen Kreuz auf der Höhe
vor der Wallfahrtskapelle ein. Dort kam uns der
hochwürdige Vikar Markus Berief mit zwei
Ministranten entgegen, begrüßte uns und
erteilte den Segen. Mit einem "Procedamus in
pace - in nomine Christi. Amen" zogen wir
dann weiter, den Kreuzweg hinab bis zur Kapelle,
wo die Wallfahrer, die mit dem Bus und Autos
gekommen waren, bereits warteten.
In der Kapelle war
der barocke Altar festlich geschmückt, der
hochwürdige Herr Prälat Dr. Heribert Schmitz
verrichtete die Gebete beim Anlegen der
liturgischen Gewänder, Schola und Organist
übten noch und die Ministranten, darunter auch
ein Wallfahrer, der nun die schweren Schuhe und
die Wanderkluft wechseln musste, machten sich
bereit und legten die Kohlen ins Weihrauchfass.
Die gut gefüllte Kirche wartete auf die
Liturgie, die sie früher so oft erlebt hatte und
die nun, zum ersten Mal nach 40 Jahren, wieder
feierlich begangen werden konnte. Das Hochamt
begann dann wie geplant um 11.30 Uhr. Die Orgel
intonierte die Kleinenberger Wallfahrtsmesse, die
Schola sang die Ordinarien. Das große Mysterium
unseres Glaubens, das heilige Messopfer, bedarf
keines Kommentares. Aber der Eindruck, der immer
wieder zu beobachten ist, bestätigte sich auch
hier: Die Kapelle, für diesen Ritus gebaut,
schien nun neu zu leben; jede Kerze, jedes
Heiligenbild, das großartige Deckengemälde, der
Hochaltar mit seinem wunderschönen Schnitzwerk -
alles hatte seine Funktion, alles schien mit
einzustimmen in den Jubel zur Ehre des Höchsten
und seiner hochheiligen Mutter. Dazu erstrahlte
das Gnadenbild im Glanz der Sonne, die uns den
ganzen Tag über nicht verlassen sollte.

Nach der Heiligen
Messe war Gelegenheit zu einem Imbiss. Um 13.30
Uhr dann versammelten sich noch einmal alle
Wallfahrer zu einer Marienandacht mit Aussetzung
und feierlichem Schlusssegen, den Vikar Berief
spendete.
Über die Rückkehr
gibt es wenig zu berichten. Der Bus setzte die
Fußwallfahrer an den Ausgangspunkten ab und
brachte andere wieder nach Paderborn. Aber alle
waren noch voll des Eindrucks, den dieses
Wallfahrtsfest hinterlassen hat. Einhellih war
die Meinung, dass hier eine Tradition begründet
werden müsste. Im nächsten Jahr soll die
Wallfahrt wieder am Sonntag nach dem Fest
"Christi Himmelfahrt" stattfinden. Und
alle waren voll des Dankes. Dank dem Vikar
Berief, ohne dessen Einsatz das ganze Unternehmen
nicht möglich gewesen wäre, Dank unserem
Zelebranten H. H. Prälat Dr. Schmitz, Dank an
den Ortsheimatpfleger Heinz-Günther Borgmeier,
der vor Beginn der Messe eine kurze Einführung
in die Bau- und Kunstgeschichte der Kapelle
gegeben hatte, und Dank an die Organisatoren, die
von der Zeit- und Wegplanung bis zum Schmücken
des Altares diese alte Tradition haben lebendig
werden lassen.
Und für den
Berichterstatter - wie sicherlich für viele
andere, die an diesem Tag mit dabei waren -
schloss der Tag mit einem Dankgebet und einem
"Te Deum" zum abendlichen Stundengebet.
(Hinweis:
Weitere Fotos von der Wallfahrt finden Sie hier
unter "Fotos", allgemeine Infos zum
Marienwallfahrtsort Kleinenberg sind abrufbar
unter www.kleinenberg.de)
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Vikar
Thomas Zwingmann
»Ein Leben nach dem
Bild Gottes«
Predigt
zum Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit in
der außerordentl. Form des röm. Ritus (18.Mai
2008)
(Röm 11,33-36 / Mt
28,18-20)
Liebe Schwestern und
Brüder im Glauben!
Wer als Christ auf die
Dreifaltigkeit angesprochen wird oder wer sogar
eine Predigt darüber zu halten hat, der sieht
sich schnell zwei gegensätzlichen Versuchungen
ausgeliefert. Entweder er resigniert vor dem
Festgeheimnis dieses Tages und versteckt sich
hinter frommen Floskeln oder er macht ganz
einfach aus der Not eine Tugend, indem er das
Geheimnis Gottes so herausstellt, dass es uns
Menschen im Grunde genommen zur Sprachlosigkeit
verurteilt. Zwischen diesen beiden Extremen gilt
es eine angemessene Balance zu finden. So richtig
es ist, dass Gottes Größe alles menschliche
Begreifen übersteigt wie es in der
Epistel anklang, so darf doch nicht darauf
verzichtet werden, dem Menschen
Verständnishilfen für diesen Glauben an die
Hand zu geben. Dass Gott dreifaltig ist, hätte
der Mensch nämlich aufgrund eigener denkerischer
Anstrengung nie herausgefunden. Er weiß um
dieses Geheimnis nur deshalb, weil Gott selbst es
ihm offenbart hat. Aber wie ist dieser
Dreifaltigkeitsglaube entstanden? Wie kamen die
ersten Christen zu der Überzeugung, Gott als
Vater, Sohn und Heiligen Geist anzubeten?
Vielleicht kann uns ein kurzer Gang durch die
Religionsgeschichte helfen, auf diese Frage eine
Antwort zu geben.
Den Ausgangspunkt des
christlichen Dreifaltigkeitsglaubens bildet das
Gottesbild des Alten Testamentes, die feste
Überzeugung, dass es nur einen Gott in dieser
Welt gibt. Dieser eine und einzige Gott, der sich
dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart hat
und dessen Name Jahwe sinngemäß Ich bin
für dich da (vgl. Ex 3,14) bedeutet,
dieser Gott stellt in der gesamten Geschichte der
Religion ein absolutes Novum und damit gleichsam
die Revolution allen bisherigen Denkens dar. In
der heidnischen Umwelt Israels gab es viele
Götter und jeder Gott war aus Sicht der Menschen
für einen bestimmten Bereich zuständig. Der
Götterhimmel der alten Griechen beispielsweise
war von über 300 Göttinnen und Göttern
bevölkert. Wie ein adliger Hofstaat thronten sie
auf dem Olymp, an der Spitze der Göttervater
Zeus mit seiner eifersüchtigen Gemahlin Hera. Es
ist unschwer zu erkennen, wie die Bilder der
Götter nach den Mustern der Kleinkönige und
Fürsten gemalt wurden, die damals in
Griechenland regierten. Schon im 6. Jahrhundert
vor Christus warf deshalb der griechische
Philosoph Xenophanes seinen Zeitgenossen vor:
Ihr formt eure Götter nach euren eigenen
Bildern. Wenn Kühe, Löwen oder Pferde eine
Religion hätten, so spottet er,
würden sie sich ihre Götter
selbstverständlich auch als Kühe, Löwen oder
Pferde vorstellen (Fragment B 15). Aber
auch das Christentum war in seiner Geschichte
nicht frei davon, dass immer wieder menschliche
Vorstellungen der jeweiligen Zeit in das
Gottesbild hineinflossen. Zur Zeit der großen
europäischen Monarchien etwa nahm auch das
christliche Gottesbild und damit verbunden auch
die entsprechende Pädagogik absolutistische
Züge an. Im Zeitalter des Liberalismus war dann
ein Gott modern, der sich aus allem heraushält
und der das Uhrwerk seiner Schöpfung, das er im
Anfang geschaffen hat, jetzt sozusagen von
alleine weiterticken lässt. Von diesem
wie die Theologie es nennt deistischen
Denken sind wir letzten Endes auch heute noch
versucht, wenn etwa immer wieder behauptet wird,
dass Religion im öffentlichen Leben nichts zu
suchen habe, da sie Privatsache sei und jeder
nach seiner eigenen Façon selig werden müsse.
Der Glaube an die Dreifaltigkeit hat dagegen zu
allen Zeiten das Bewusstsein wachgehalten, dass
unser Gott all diese Eingrenzungen aufsprengt,
denn er ist ein Gott der Fülle, der sich nicht
auf ein einzelnes Bild festlegen lässt. Sein
innerstes Wesen lässt sich nur in einem
Paradoxon ausdrücken, nämlich dass er in drei
Personen doch ein einziger ist. Auf diesem
Hintergrund wird dann auch verständlich, warum
schon im Alten Bund das erste der Zehn Gebote
verbietet, sich ein Bild von Gott zu machen.
In diesem
alttestamentlichen Glauben an den einen Gott, der
im Anfang Himmel und Erde erschaffen hat, waren
Jesus und seine Jünger zutiefst verwurzelt. Sie
hatten in ihrem Leben erfahren können, was wir
gleich im Offertorium beten werden, dass dieser
Gott der so hoch und erhaben über der Welt
thront, ein zutiefst barmherziger und
menschenfreundlicher Gott ist. In der Person Jesu
verdichtet sich diese Erfahrung dann aufs
Äußerste, denn in ihm so glauben wir
ist der unsichtbare Schöpfergott mit
einem menschlichen Antlitz in unsere Welt
hineingetreten. Diese Erfahrung einer ganz tiefen
Beziehung zwischen Jesus und Gott, den er seinen
Vater nennt, die Erfahrung, dass Jesus ganz
durchdrungen war vom Geist Gottes und dass dieser
Geist nach seiner Himmelfahrt in den Christen
lebendig bleibt und unter ihnen weiterwirkt, hat
dann im weiteren Nachdenken der Kirche zum
Glauben an die Dreifaltigkeit Gottes geführt.
Wenn also etwas unseren Gott kennzeichnet, wenn
es Worte gibt, den bildlosen Gott zu beschreiben
und den Unsagbaren auszusprechen, dann ist es
wohl der einfache Satz, der sich beim
Evangelisten Johannes findet und den unser
Heiliger Vater durch sein erstes
Weltrundschreiben gleichsam zum Leitwort seines
Pontifikates erhoben hat: Deus caritas est
Gott ist die Liebe (1Joh 4,8). Von
diesem Wort her können wir heute vielleicht am
ehesten eine Ahnung von jenem Geheimnis gewinnen,
das wir die göttliche Dreifaltigkeit nennen. Ein
Gott, der nämlich nicht nur liebt und Liebe hat,
sondern dessen innerstes Wesen Liebe ist, kann
gar nicht als einsames Wesen an der Spitze des
Weltalls gedacht werden. Ein solcher Gott muss
auch in sich selbst Raum haben für die Liebe, er
muss in sich selbst Beziehung sein: Ruf und
Antwort, Liebe und Gegenliebe. Nicht der
unbewegte Beweger der Philosophen ist unser Gott,
sondern ein Gott, der Person ist und zwar eine
Person, die einen jeden von uns mit liebenden
Augen anblickt und die auf unsere Gegenliebe
wartet. In Jesus von Nazaret kommt uns dieser
geheimnisvolle Gott mit einem wahrhaft
menschlichen Antlitz entgegen und mit Hilfe des
Heiligen Geistes können wir Christen diese
Wahrheit immer tiefer durchdringen.
Liebe Schwestern und
Brüder. So wie früher die Menschen dazu
neigten, die Götter nach ihrem eigenen Bild zu
entwerfen, so fordert uns die Kirche mit dem
heutigen Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit
genau umgekehrt dazu auf, unser Leben nach dem
Bild Gottes zu gestalten. Wenn sich die Liebe
Gottes in der Beziehung zwischen Vater und Sohn
entfaltet, und wenn diese Beziehung, die wir
Heiliger Geist nennen, dann überspringt auf uns
Menschen, dann wird auch unser Leben
buchstäblich neugeschaffen und von innen heraus
verwandelt zum Guten. Wenn wir uns so vom
dreifaltigen Gott verwandeln lassen, dann werden
wir als Kirche wie es das Konzil gewollt
hat immer mehr zu einem wirklichen Abbild
der Dreifaltigkeit, nicht durch viele Worte,
sondern was viel entscheidender ist
durch unsere Ausstrahlung und unser Leben.
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Wolfgang Kühnhold
Sonntags
um 11 Uhr in der Gaukirche
Messe im klassischen Ritus
bereichert das liturgische Angebot auch in
Paderborn
Auf
Grund des päpstlichen Erlasses Summorum
Pontificium im vergangenen Jahr ist nun
auch durch den Paderborner Erzbischof eine
liturgische Wiederbelebung des klassisch
römischen Ritus ermöglicht worden. Diese durch
das Konzil von Trient (1545 1563)
bestätigte Messe gehört zu den ältesten Riten
der katholischen Kirche und ist zeitlos, ja man
könnte sagen, überzeitlich. Die historischen
Kirchengebäuden eignen sich in
außerordentlicher Weise, denn sie sind gerade
aus diesem überzeitlichem Verständnis heraus
entstanden, geplant, gebaut und zu diesem Zweck
eingerichtet und geweiht.
Selbst
außenstehende Kritiker, wie der Soziologe Alfred
Lorenzer, müssen immer wieder feststellen: Die
Messe im Ritus dieser kirchlichen Tradition ist
von beeindruckender Erhabenheit. Auf
einzigartiger Weise spricht diese Liturgie die
Sinne an: Mit dem Auge schaut man die Kostbarkeit
der Ausstattung, die Vielfalt der Kerzen, den
Altarschmuck, die kostbaren Gewänder, die
Zeremonien in den rituellen Gesten des Priesters,
in seinen Kniebeugen, in den Handlungen und
Gängen der Ministranten... mit den Ohren hört
man die altbekannte katholische Kirchenmusik, den
gregorianischen Choral, die Gesänge im Wechsel
zwischen Priester, Chor und Gemeinde, das Spiel
der Orgel... alles das eine geheimnisvolle, aber
heilsame Mischung, die dem Menschen in der
Rastlosigkeit der Zeit ein Gefühl von Ruhe,
Heimat und Geborgenheit vermitteln kann. Aber
nicht nur das. Tiefer gehende Dimensionen dürfen
nicht unerwähnt bleiben. Denn gerade die Jugend
und wohl nicht nur sie! - sucht heute nach
spirituellen Erlebnissen. Oft glaubt man diese in
fernöstlichen Meditationstechniken gefunden zu
haben; allein, diese können bei den meisten nur
vordergründig wirken und müssen letztlich
verschlossen bleiben, da sie unserem Kulturkreis
in ihren tiefsten Eigenheiten fremd sind. Im
Kultus der gregorianischen Messe dagegen können
sich die spirituellen Dimensionen für jeden
einzelnen in einem Maße erschließen, das sich
nicht von außen aufdrängt, sich nicht einer
erlernbaren Technik bedient, sondern das sich aus
dem Fassungsvermögen eines jeden einzelnen in
den verschiedensten Formen der Mitfeier ergibt:
Vom bloßen Zusehen bis zum aktiven Mitvollzug
der Gebete.
Dabei folgt dieser
Ritus einem inneren Gefüge, das sich in einer
Tradition über mehr als ein Jahrtausend
herausgebildet hat. Zwar hat es gerade im 20.
Jahrhundert Mißbrauch in der Ausführung gegeben
ein Faktum, das letztlich mit dafür
verantwortlich war, daß diese Form nicht mehr
gewünscht wurde und beinahe verschwunden war. Es
gab und gibt aber gerade ältere Menschen, denen
dieser Ritus nach wie vor etwas bedeutet, die zur
neuen Form der Messe keine rechte Beziehung
gewinnen konnten. Zudem: In der letzten Zeit ist
auffällig, daß immer mehr junge Menschen diesen
Ritus kennenlernen möchten, ihn sich als
Möglichkeit neben der ordentlichen Form
wünschen und die Besonderheiten und Qualitäten
dieser Feier lieben und nicht mehr missen
möchten. Es sind also nicht die ewig
Gestrigen, die sich um diesen Ritus
bemühen, sondern gerade solche Christen, die den
Reichtum der katholischen Liturgie um diesen
wesentlichen Schatz erweitert sehen wollen. Das
bestätigen Meldungen von Gemeinden außerhalb
Europas und vor allem in den USA, wo dieser Ritus
geradezu das kirchliche Leben aufblühen und die
Zahl der Katholiken ansteigen läßt.
Nun hat die Pfarrei der Innenstadt auf Bitten
des Erzbischofs die Kirche St. Ulrich (Gaukirche)
für die Feier dieses außerordentlichen Ritus
zur Verfügung gestellt. Im September hatte der
Erzbischof bereits die Krypta des Domes für eine
Meßfeier in der Woche ausgewiesen. Damit kann
sich also jeder von der Wirksamkeit dieser Form
der Heiligen Messe überzeugen, sei es in
Anknüpfung an Erfahrungen von vor 40 Jahren, sei
es in einer Erstbegegnung. Auch wenn jemand für
sich keinen Zugang zur gregorianischen Messe
finden kann ein Urteil darüber darf man
sich eigentlich erst erlauben, wenn man diesen
Gottesdienst vorbehaltlos kennengelernt und ihn
mitgefeiert hat. Und dazu ist in Paderborn nun
gute und vorbildliche Gelegenheit gegeben: An
jedem Sonn- und Feiertag um 11 Uhr in der
Gaukirche und an jedem Mittwoch um 18.30 Uhr in
der Krypta des Domes.

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Pro Missa Tridentina
Neubeginn
in Paderborn
Artikel aus dem Rundbrief der
Laienvereinigung für den klassischen römischen
Ritus in der kath. Kirche e.V.
Nr. 34, März 2008 (mit freundlicher Genehmigung
zur Veröffentlichung von Pro Missa Tridentina)


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